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Kirche, Kunst und Kultur

© Diözese Eisenstadt

Freitag, 27. Januar 2017

Gewänder des Übergangs – Eine Installation der deutschen Künstlerin Lilo Rinkens in der Jesuitenkirche in Wien

In den Geschichten der Bibel haben Gewänder eine außerordentliche Bedeutung. Sie sind Zeichen der Erhöhung und der Erniedrigung: Josef erhält vom Pharao Gewänder aus Byssus (Gen 41,42), dem verlorenen Sohn wird „das beste Gewand“ gebracht (Lk 15,22), Jesus wird zum Spott ein Prunkgewand umgehängt (Lk 23,11). Gewänder umfangen alle Bereiche des Lebens. Auch heute wird die Braut weiß gekleidet. Gewänder der Trauer sind schwarz. Und jedes Gewand bezeichnet immer auch einen Übergang. Gewänder begleiten durch Freude und Trauer, sie helfen, Halt zu finden, sie verbergen, schützen und offenbaren zugleich.

Kunstinstallation Lilo Rinkens im Innenraum der Jesuitenkirche in Wien.
JORIT AUST.
In die barocke Wiener Jesuitenkirche hängt Lilo Rinkens zwei Objekte in Form von Kleidern. Eines der Gewänder ist sehr dunkel, ein tiefes Blau mit roten Akzenten, das andere hell, fast weiß. Lilo Rinkens hat zwei Leinwände mit Titanweiß bestrichen und im nassen Zustand gefaltet und Farbe aufgetragen. Sowohl die Vorderseite als auch die Rückseite beider Gewänder sind gestaltet. Sie schweben im Kirchenraum und können mit den Fingerspitzen erreicht werden. Sie sollen nicht fern des Alltäglichen im Unerreichbaren hängen. Denn mit dem hellen und dem dunklen Gewand sind lichte und düstere Seiten des Lebens verbunden.

Gewänder gestalten das Leben. „Es gibt den besonderen Augenblick, in dem ein Mensch sein Gewand ablegt und ein anderes überstreift. Damit verwandelt er sich für eine Weile, es kann ihm Würde, Schutz oder Kraft geben. Es kann ihn verbergen oder erstrahlen lassen. Er ist für eine Weile ein Anderer. In jedem Gewand wartet aber auch der gerade verlassene oder bereits der zukünftige Zustand“, sagt Lilo Rinkens über ihre Installation in der Jesuitenkirche.

Still und zurückhaltend. Die Kunst von Lilo Rinkens ist außerordentlich still. Sie bleibt inmitten all der barocken Üppigkeit der Jesuitenkirche äußerst zurückhaltend. Zugleich besitzen die ausgestellten Objekte eine Kraft, die in den Farben und Formen des mächtigen Raumes eine Resonanz erweckt. Lilo Rinkens wird 1946 in Altenburg in Bayern geboren. Sie studiert Bildhauerei in München und Berlin sowie Malerei in Venedig. Sie stellt in München, Wien, Venedig, Karlsruhe und Zürich aus und zeigt ihre Werke auf internationalen Kunstmessen. Die Malerin, Zeichnerin und Fotografin lebt in München.
Lilo Rinkens, Installation, Jesuitenkirche Wien, Dr. Ignaz Seipel Platz 1, bis 16. Feber 2017, täglich 9-19 Uhr, Eintritt frei