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Kirche, Kunst und Kultur

© Diözese Eisenstadt

Freitag, 16. Juni 2017

Christus tragen – Skulpturen und Reliefs des Grazer Künstlers Erwin Huber im Stift Heiligenkreuz

Erwin Huber galt als einfühlsamer Porträtist. In seinen bildhauerischen Arbeiten setzte er sich vorwiegend mit der menschlichen Figur auseinander. Intensiv beschäftigte er sich mit religiösen Themen. 1983 schuf er ein Kruzifix für den Österreichischen Katholikentag, der unter dem Motto „Im Kreuz liegt Hoffnung“ stand. Die österreichischen Bischöfe verteilten davon 200.000 Stück als Erinnerungsgabe an die Gläubigen.

Bischof Egon Kapellari und Abt Maximilian Heim bei der Eröffnung der Ausstellung. ELISABETH FÜRST
Erwin Huber wird am 18. Mai 1929 in Graz geboren und absolviert zunächst die Kunstgewerbeschule Graz bei Wilhelm Gösser, Walter Ritter und Alexander Silveri. Danach geht er zur weiteren Ausbildung nach Italien zu Giacomo Manzù und an die Sommerakademie in Salzburg. Geprägt wird er auch durch den Schweizer Bildhauer Alberto Giacometti. Ab 1955 arbeitet Erwin Huber als freischaffender Künstler und wird Mitglied beim Steiermärkischen Kunstverein Werkbund. Bald findet sein von christlich-sakralen Themen dominiertes Werk im In- und Ausland Anerkennung.

Sakrale Plastiken. Große Wertschätzung finden seine verschiedenen Kirchen-Tore aus Bronze, darunter der Eingang der Pfarrkirche St. Paul in Graz. Von der größeren Anzahl von sakralen Plastiken, die er anfertigt, stechen besonders fünf Bronze-Portale und eine Plastik des Hl. Ägidius vor dem Grazer Dom hervor. 1980 wird Erwin Huber der Professor-Titel verliehen, 1989 erhält er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, 1990 das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark, 1999 die Vincent-van-Gogh Medaille, Antwerpen. Am 27. April 2006 stirbt Erwin Huber in Graz.

Zahlreiche Porträtbüsten. Erwin Huber schuf auch zahlreiche Porträtbüsten, u.a. des Komponisten Hugo Wolf, des Dichters Peter Rosegger, des Architekten Clemens Holzmeister, des Politikers Henry Kissinger für New York, von Papst Johannes Paul II. für den Vatikan sowie von Erzherzog Johann für Wien, Florenz und Leoben. Der Titel der Ausstellung im Stift Heiligenkreuz „Christus tragen“ bezieht sich auf eine riesige Bronzestatue Erwin Hubers, die den hl. Christophorus mit Christuskind auf der Schulter darstellt. Sie wurde 1976 gegossen und in der weststeirischen Gebirgslandschaft der Gemeinde Soboth, nahe an der Straße von Eibiswald nach Kärnten, aufgestellt. Im burgenländischen Bad Tatzmannsdorf erinnert der „Storchenbrunnen“ an den Künstler.
Erwin Huber, Christus tragen, Skulpturen und Reliefs, Stift Heiligenkreuz, Aula im Stiftshof, bis 30. Juli 2017



Freitag, 7. April 2017

Leben, Licht und Tod – Die Künstlerin Victoria Coolen hat im Wiener Stephansdom Heiligenstatuen verhüllt

Den Mittelgang des Wiener Stephansdoms zieren 108 Heiligenfiguren. 37 davon hat die Künstlerin Victoria Coeln mit gold- oder silberfarbig glänzenden Rettungsfolien verhüllt. Es sei ihr erst sehr spät bewusst geworden, welche Multikulturalität diese Heiligen zum Ausdruck brächten. Coeln: „Die gotischen Säulenheiligen, die über Jahrhunderte hinweg so vielen Menschen Trost gespendet haben und immer noch spenden, kommen aus ganz Europa und vor allem aus heutigen Kriegsgebieten des Nahen Ostens, wie Syrien und dem Irak.“ Darauf möchte die Künstlerin mit ihrem Projekt hinweisen.

Licht fällt auf die verhüllten Statuen im Mittelschiff von St. Stephan. VICTORIACOELN-ATELIERCOELN
In vielen Kirchen werden während der Fastenzeit Altarbilder verhüllt. In einigen Domkirchen gibt es künstlerische Installationen. Im Innsbrucker Dom etwa zeigt die 1959 in Klagenfurt geborene Hrdlicka-Schülerin Minu Ghedina fliegende Papierkleider, die sie als Einladung verstehen möchte, Altes mit Leichtigkeit abzustreifen und sich auf Neues einzulassen. In Linz hat der 1980 in Wien geborene Künstler Adam Uhren für die Krypta der Ursulinenkirche eine Installation mit dem Titel „Alles wird gut“ als tröstende Spielart zum Leitthema des Aschermittwochs „memento mori“ geschaffen.

81,5 Jahre dauernder Film. Victoria Coeln geht es um das Wahrnehmen und Sichtbarmachen von Licht und Schatten, um Leben und Tod, um Sehen und Nicht-Sehen. Mit ihrer Verhüllungsinstallation spielt sie auf die gegenwärtige Flüchtlingssituation in Europa an. Gemeinsam mit der Schweizer Künstlerin Susanne Lyner hat sie im Stephansdom auch eine filmische Arbeit konzipiert, die dem durchschnittlichen Lebensalter von uns Europäern entspricht. Drei übereinander geschichtete Videosequenzen verweisen auf die Lebensspanne zwischen Geburt und Tod.

Apostelin der Apostel. Wenn Licht auf die Folien fällt, fangen die verhüllten 37 Statuen an zu glitzern und zu funkeln. 37 ist eine Grundzahl im Stephansdom, dessen architektonische Maße daran ausgerichtet sind. Coeln spielt mit der Verhüllung auch auf die existenzielle Notlage von Schutzsuchenden und Menschen, die auf Rettung aus der Not hoffen, an. Im Marienmonat Mai wird Victoria Coeln Marienstatuen und die weiblichen Skulpturen besonders hervorheben und durch Textprojektionen zu Wort kommen lassen. Coolen will auch daran erinnern, dass etwa Maria Magdalena zur Zeit der Erbauung des Stephansdoms den Titel „Apostola Apostolorum“, Apostelin der Apostel, getragen hat.

Freitag, 31. März 2017

Das Eigentliche im Bild – Der Fotograf Josef Mann ist studierter Theologe, Historiker, Autor und Extrem-Weltreisender

Josef Mann liebt die Herausforderung. 1988 begibt er sich auf die Parikrama, den Pilgerweg um den Kailash, das „Schneejuwel“, wie der heiligste Berg Tibets auf dem „Dach der Welt“ auch genannt wird. Mit Pferd und Yak umrundet er 1998 den Amnye Machen, den heiligen Berg der Ngolok-Nomaden im Osten Tibets. 1995 erreicht er mit seinem Mountainbike von Lhasa aus auf Naturpisten und über etliche Fünftausenderpässe Kathmandu. Auch Wüsten ziehen ihn in Bann, Salzpfannen, Oasen, Schluchten der Sahara und das eisige Ödland der Antarktis. 2009 radelt er mit Gleichgesinnten von Wien nach Jerusalem, durchquert in 40 Tagen zehn Länder, fährt 3.712 Straßenkilometer und schafft 23.118 Höhenmeter.

2008 schafft Josef Mann seine beeindruckenden Kreuzwegbilder. MANN
Josef Mann hat in den letzten 30 Jahren rund 40 Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika bereist und seine Eindrücke mit der Kamera kaleidoskopartig eingefangen: Indien mit seinen grellbunt schillernden Farben, mit seiner verwirrenden Vielfalt an Sprachen, Kulturen und Religionen ebenso wie den kriegserschütterten Irak 2012, das von Israel besetzte palästinensische Westjordanland 2011 oder die sudanesische Hauptstadt Khartum.

Stillleben. In einer jüngst erschienenen Publikation zeigt Josef Mann Stillleben. Es sind schweigende, tiefgründige Bilder zu den Themen Tierleid, Kahlschlag und Lebensstil, die er selbst als „verstörende, schockierende Kompositionen“, als „skurrile und surreale Momente“ und „kritisch und infrage stellend“ bezeichnet. Josef Mann: „In meinen Bildern suche ich das Eigentliche im Bild. Es geht mir um die Darstellung regloser, lebloser Objekte der Natur und des alltäglichen Lebens wie welke Blumen, faulende Früchte, tote Tiere, abgelaufene Sanduhren, aufgeschlagene Bücher, zerbrochene Gläser. Um den leeren Schein und die Vergänglichkeit alles Irdischen.“

Theologe und Journalist. Von 1981 bis 1993 ist Josef Mann Redakteur des Bildungsmagazins „Werkmappe Weltkirche“, von 2001 bis 2006 der Zeitschrift „Kolping Österreich“ und 1994 bis 2010 der Quartalsschrift für den interreligiösen Dialog „Religionen unterwegs“. Er gibt eine Reihe von Publikationen heraus, darunter „Wege zu Gott – Gotteserfahrungen in den Weltreligionen“, „Und vergib uns unsere Schuld(en)“, „Was ist denn mit der Arbeit los?“, und „Nie wieder Jerusalem?“. Darüber hinaus erscheinen Fotoreportagen in zahlreichen Zeitschriften und Magazinen.
Die Publikation „Josef Mann, Die schöne neue Welt, Stillleben“, ist 2016 im Verlag MANN&SKRIPT erschienen.

Freitag, 24. März 2017

Inside – outside – Fotoschau iranischer Frauen im Café Maskaron im Schloss Esterházy

„Irgendwann kommt der Tag, wo alle Frauen und Männer im Iran die gleichen Rechte haben. Eines Tages werden wir frei sein, und dann werden wir unsere Rechte nie aufgeben“, hofft Ghazal Sadr, Absolventin der Kunst-Universität in Teheran. Seit 2014 lebt die Fotokünstlerin in Österreich. Sie ist Mitglied beim Fotokreis Eisenstadt und hat mit burgenländischen Kolleginnen und Kollegen eine Fotoschau iranischer Fotografinnen und Fotografen initiiert.

Iranische Fotografinnen und Fotografen beschäftigen sich mit dem Frauen-Rollenbild im Iran. DOBROWSKY
Wer sich im Iran für Frauenrechte stark macht, muss mit Verfolgung durch den Staat rechnen. Massive Diskriminierungen gehören zum Alltag iranischer Frauen. Da bleibt nicht viel Platz für Individualität. So findet das eigentliche Leben vielfach nur im Privaten statt, wenn sich die Menschen hinter geschlossenen Türen sicher wähnen, weil die Diskrepanz zwischen ihrem Lebensstil und den Vorgaben der Religion und des Staates unüberwindbar scheint. Mit der Hochzeit verliert eine Frau im Iran viele Rechte an den Mann. Die strengen Sittenwächter kontrollieren die Kleidervorschriften.

Doppelleben iranischer Frauen. 15 iranische Fotografinnen und Fotografen zeigen Frauen, sowohl im öffentlichen Raum, als auch im Schutz der Privatsphäre. „Die iranischen Frauen müssen gesetzlich ein Kopftuch im Freien tragen. Zuhause müssen sie das nicht tun, draußen schon“, so Sadr. Sie müssen also ein Doppelleben führen: inside und outside. So auch der Titel der Ausstellung, ein Projekt des Eisenstädter Fotokreises. Ihren Traum von einer Fotoschau über Frauen im Iran haben ihre engagierten Kolleginnen und Kollegen mitgetragen. Ghazal Saar hofft, dass der Graben zwischen Innen und Außen irgendwann überwunden werden kann.

Wann kommt die Gleichberechtigung? Eine Frau muss heute im Iran ihren Mann um Erlaubnis bitten, wenn sie einen Pass beantragt, wenn sie das Haus verlässt. Der Zugang zum Internet und die Verbreitung von Smartphones haben dazu geführt, dass die zahlreichen Verhaltensregeln immer häufiger gebrochen werden. Im Netzwerk Instagram zeigen sich viele Frauen so, wie sie gesehen werden wollen, ohne Tuch. 1979 gehörte es zum ehrgeizigen Programm der Islamischen Revolution, dem Volk, auch den Mädchen und Frauen, den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Selbst in entfernten Bergregionen wurden Schulen errichtet. Heute stellen Frauen im Iran 65 % der Studenten und liegen damit laut UNESCO weltweit an der Spitze.
Inside – outside, Frauen im Iran, Café Maskaron, Schloss Esterházy, bis 17. 4. 2017, Fr-So 10-17 Uhr (24.-26.3.), ab 31. 3. 2017 täglich von 10-17 Uhr, Eintritt frei

Freitag, 17. März 2017

Aufbruch und Neubeginn – Rendezvous mit burgenländischen Künstlerinnen und Künstlern in Oberschützen

Als das heutige Burgenland 1921 von Ungarn zu Österreich kam, musste sich erst eine burgenländische Kunstszene bilden. Herausragende Persönlichkeiten gaben dabei Impulse. Eine Ausstellung mit dem Titel „Rendezvous mit burgenländischen KünstlerInnen – Meisterwerke aus der Sammlung der Landesgalerie“ versucht, diesen Weg nachzuvollziehen.

Rudolf Klaudus, Häuser in Kleinwarasdorf. FROEHLICH
Die Sammlung der burgenländischen Landesgalerie umfasst an die 7.000 Exponate; Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Skulpturen und Plastiken, Installationen, Fotos, Videos und Neue Medien. Eine Auswahl von den Anfängen 1921 bis zur Gegenwart ist zurzeit im Kulturzentrum in Oberschützen zu sehen. Am Beginn stand die Entdeckung der burgenländischen Landschaft und der Menschen des Landes. Arbeiten von Rudolf Raimund Ballabene, Franz Elek-Eiweck, Rudolf Klaudus und Alfred Pahr stehen dafür. In diese Zeit fällt auch die Gründung des Vereins der „Eisenstädter Kunstfreunde“, der später in den „Burgenländischen Kunstverein“ umgewandelt und 1938 aufgelöst wird. Künstler wie Rudolf Klaudus werden mit Ausstellungsverbot belegt.

Kunstskandal. Nach 1948 erfolgt ein Neuanfang. Karl Prantl und Rudolf Kedl treten auf den Plan, internationale Entwicklungen fließen ein. Das geht nicht ohne Konflikte über die Bühne. Eine Ausstellung in der Eisenstädter Orangerie im Mai 1954 löst große Empörung unter den Besuchern aus. Ein Aufbruch erfolgt in den 1960er, 70er und 80er Jahren, in denen sich viele bekannte Künstlerinnen und Künstler aus dem urbanen Bereich im Burgenland ansiedeln. Sie finden hier ideale Bedingungen für ihre Arbeit.1959 wird das Internationale Bildhauersymposium in Sankt Margarethe gegründet.

Internationalisierung. In weiterer Folge entstehen die Werkstatt Breitenbrunn, der Friedrichshof, die Rabnitztaler Malerwochen, das Künstlerdorf Neumarkt an der Raab. Wichtige Impulse setzt Alfred Schmeller, Landeskonservator für das Burgenland. Er bringt Künstler wie Anton Lehmden, Wander Bertoni und Roland Rainer in das Burgenland. 1972 wird die Burgenländische Landesgalerie, damals im Schloss Esterházy, eröffnet, vier Jahre später die Cselley Mühle, dann die KUGA in Großwarasdorf und das OHO in Oberwart. Unter Kulturlandesrat Gerald Mader werden gegen manche Widerstände die Kulturzentren errichtet. Heute findet man so prominente Namen wie Martha Jungwirte, Walter Pichler, Feri Zotter, Elfie Semotan, Sepp Laubner, Walter Schmögner oder Franz Hametner im Burgenland.
Meisterwerke aus der Sammlung der Landesgalerie Burgenland, Kulturzentrum Oberschützen, Hauptplatz 8, bis 7. April 2017, Mo-Do 8-15.30, Fr 8-12.30 Uhr und bei allen Veranstaltungen, barrierefreier Zugang, Eintritt frei

Freitag, 24. Februar 2017

Ich bin ein Mensch – 6 Fotografen begleiten 25 Flüchtlinge und fotografieren mit ihnen

Es ist ein besonderes Projekt, das sechs Mitglieder des Fotokreises Eisenstadt im vergangenen Jahr beschäftigt hat. Die Fotografen Monika Leeb, Sibylle Loidolt, Hedda Pflagner, Heinz Ruf, Ghazal Sadr sowie Sylvia und Hans Tschida begleiteten ein Jahr lang 25 Asylwerber, zeigten ihnen das Land, kochten gemeinsam mit ihnen und lernten voneinander. Die Fotos, die dabei entstanden sind, kann man jetzt im Eisenstädter „Haus der Begegnung“ sehen.

Safa aus Mossul hat ein Geografie-Studium abgeschlossen, ehe sie vor dem IS fliehen musste.  H. PFLAGFNER
Das Projekt „Ich bin ein Mensch“ ist ein Integrationsprojekt. Die Asylwerber kommen aus Afghanistan, Irak, Iran, Somalia, Syrien und Tadschikistan. Das Erzählen der persönlichen Lebensgeschichte und der Schicksale ließ Freundschaften entstehen.

Wenn Schicksale ein Gesicht erhalten. Auf die Frage, was ihm in Österreich gut gefalle, sagt Omar aus Mossul, das vom IS besetzt ist, ohne eine Sekunde nachzudenken: „Freiheit und Friede, die Offenheit der Menschen und die Sicherheit.“ Seine Eltern und Schwestern sind noch in Mossul. Ihnen ist die Flucht nicht gelungen. Omar hat Sport studiert, sieben Monate irrte er umher. Safas Vater war Jurist in der Erdölbranche. Lange war die Familie getrennt. Seit Februar 2016 sind sie wieder zusammen. Sie hatten alles, was ihnen noch nach den Bombardierungen und Kämpfen übrig geblieben war, zurücklassen müssen.
Samer Alkhaled kommt aus Aleppo. Er ist eines von zehn Kindern. Sein Vater war Offizier. Samer hat Pharmazie studiert, musste 2014 nach Istanbul fliehen und konnte wegen seiner Englischkenntnisse im Tourismus Fuß fassen. Zuletzt betrieb er sogar ein kleines Hotel, ehe er die Aufenthaltsgenehmigung verlor. Nach langen Fußmärschen und endlos scheinenden Fahrten in überfüllten Zugwaggons kam er nach Salzburg und schließlich nach Eisenstadt. Nach einem erfolgreichen Aufnahmetest konnte er ein Fernstudium beginnen. Seine Heimatstadt Aleppo liegt inzwischen in Schutt und Asche. Drei Beispiele von vielen erschütternden Schicksalen.

Ausstellungskatalog. Zum Projekt ist auch ein 40-seitiger Katalog erstellt worden, der die 25 Teilnehmer näher vorstellt. Ab 7. April wird die Ausstellung in der Schuh-Mühle in Schattendorf zu sehen sein; weitere Ausstellungsorte im Mittel- und Südburgenland sind ins Auge gefasst.

Ich bin ein Mensch, Fotokreis Eisenstadt, Galerie „Haus der Begegnung“ Eisenstadt, Kalvarienbergplatz 11, zu sehen bis 31. März 2017 bei freiem Eintritt zu den Öffnungszeiten des Bildungshauses

Freitag, 3. Februar 2017

Landeskulturpreise 2016 – Sechs Persönlichkeiten erhalten Würdigungspreise

Das Land Burgenland vergibt im Abstand von drei Jahren für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Kultur den Landeskulturpreis. Er ist nicht nur eine Ehrung für um die Kultur des Landes besonders verdiente Menschen, sondern auch ein Dank für das langjährige und verdienstvolle Bemühen um Wissenschaft, Kunst und Kultur im Burgenland.

Ausgezeichnet. LR Helmut Bieler mit Julius Koller, Christa Prets, LH Hans Niessl, Marianne Gruber,
Wolfgang Horwath und Hans Spieß (v.l.n.r.).
Am 14. Dezember des Vorjahres wurden im Eisenstädter Kultur- und Kongresszentrum die Kulturpreise des Burgenlandes verliehen. Unter den Geehrten befand sich auch Prof. Julius Koller. Er durfte den Würdigungspreis für Musik entgegennehmen. Der 1950 in Stegersbach geborene Musikpädagoge hat als Lehrer und Chorleiter am Gymnasium in Eisenstadt „sowohl in fachlicher als auch in pädagogisch-didaktischer Hinsicht Meilensteine im Unterrichtsfach Musik gesetzt“, heißt es in der Begründung für die Auszeichnung.
Hohe Verdienste habe er sich auch mit seinem großen Engagement für den Stellenwert des Singens und mit seinem kompositorischen Schaffen erworben.

Würdigungspreis für Musik. Julius Koller hat jahrelang den Chor in Sankt Margarethen geleitet und sich auch bei den Passionsspielen musikalisch engagiert. Seit seiner Übersiedlung nach Großhöflein wirkt er in der dortigen Pfarrkirche als Organist. 1999 wurde er mit den Agenden eines Fachinspektors für Musik- und Instrumentalerziehung an mittleren und höheren Schulen des Burgenlandes unter gleichzeitiger Mitbetreuung der allgemeinbildenden Pflichtschulen betraut. 2014 wurde Julius Koller das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich vom Bundespräsidenten verliehen.

Kompositionen für Messen. Für Gemischten Chor-Satz hat Julius Koller auch Messen komponiert, die „Missa brevis in honorem Sancti Stephani“ und die „Sankt Margarethner Messe“. Seit er in Pension ist, habe er endlich Zeit, viel zu schreiben und zu komponieren, meint der Geehrte und zitiert den Philosophen Friedrich Nietzsche, der überzeugt war, dass „ein Leben ohne Musik ein Irrtum wäre“ („Der Deutsche denkt sich selbst Gott liedersingend“).

Weitere Würdigungspreise gehen an die aus Dürnbach stammende Schriftstellerin Marianne Gruber, die den Würdigungspreis für Literatur und Publizistik erhält, an den Vorsitzenden der Burgenländischen Volkshochschulen Hans Spieß (für Erwachsenenbildung und Volkskultur), den langjährigen Leiter der biologischen Station Illmitz Univ.-Prof. Alois Herzig (für Wissenschaft), an den Künstler Wolfgang Horwath (für bildende Kunst und Fotografie) und Christa Prets, ehemalige Kultursprecherin im Europäischen Parlament (für Darstellende Kunst, Film und Video).

Freitag, 27. Januar 2017

Gewänder des Übergangs – Eine Installation der deutschen Künstlerin Lilo Rinkens in der Jesuitenkirche in Wien

In den Geschichten der Bibel haben Gewänder eine außerordentliche Bedeutung. Sie sind Zeichen der Erhöhung und der Erniedrigung: Josef erhält vom Pharao Gewänder aus Byssus (Gen 41,42), dem verlorenen Sohn wird „das beste Gewand“ gebracht (Lk 15,22), Jesus wird zum Spott ein Prunkgewand umgehängt (Lk 23,11). Gewänder umfangen alle Bereiche des Lebens. Auch heute wird die Braut weiß gekleidet. Gewänder der Trauer sind schwarz. Und jedes Gewand bezeichnet immer auch einen Übergang. Gewänder begleiten durch Freude und Trauer, sie helfen, Halt zu finden, sie verbergen, schützen und offenbaren zugleich.

Kunstinstallation Lilo Rinkens im Innenraum der Jesuitenkirche in Wien.
JORIT AUST.
In die barocke Wiener Jesuitenkirche hängt Lilo Rinkens zwei Objekte in Form von Kleidern. Eines der Gewänder ist sehr dunkel, ein tiefes Blau mit roten Akzenten, das andere hell, fast weiß. Lilo Rinkens hat zwei Leinwände mit Titanweiß bestrichen und im nassen Zustand gefaltet und Farbe aufgetragen. Sowohl die Vorderseite als auch die Rückseite beider Gewänder sind gestaltet. Sie schweben im Kirchenraum und können mit den Fingerspitzen erreicht werden. Sie sollen nicht fern des Alltäglichen im Unerreichbaren hängen. Denn mit dem hellen und dem dunklen Gewand sind lichte und düstere Seiten des Lebens verbunden.

Gewänder gestalten das Leben. „Es gibt den besonderen Augenblick, in dem ein Mensch sein Gewand ablegt und ein anderes überstreift. Damit verwandelt er sich für eine Weile, es kann ihm Würde, Schutz oder Kraft geben. Es kann ihn verbergen oder erstrahlen lassen. Er ist für eine Weile ein Anderer. In jedem Gewand wartet aber auch der gerade verlassene oder bereits der zukünftige Zustand“, sagt Lilo Rinkens über ihre Installation in der Jesuitenkirche.

Still und zurückhaltend. Die Kunst von Lilo Rinkens ist außerordentlich still. Sie bleibt inmitten all der barocken Üppigkeit der Jesuitenkirche äußerst zurückhaltend. Zugleich besitzen die ausgestellten Objekte eine Kraft, die in den Farben und Formen des mächtigen Raumes eine Resonanz erweckt. Lilo Rinkens wird 1946 in Altenburg in Bayern geboren. Sie studiert Bildhauerei in München und Berlin sowie Malerei in Venedig. Sie stellt in München, Wien, Venedig, Karlsruhe und Zürich aus und zeigt ihre Werke auf internationalen Kunstmessen. Die Malerin, Zeichnerin und Fotografin lebt in München.
Lilo Rinkens, Installation, Jesuitenkirche Wien, Dr. Ignaz Seipel Platz 1, bis 16. Feber 2017, täglich 9-19 Uhr, Eintritt frei