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Kirche, Kunst und Kultur

© Diözese Eisenstadt

Freitag, 17. Juni 2016

Meditativer Aktivist – Drago J. Prelog zeigt im Offenen Haus Oberwart seine gemalte Biographie

Das Grundprinzip bei Drago Julius Prelog ist immer die Linie. Sie ist das essentielle Element seines künstlerischen Selbstverständnisses. Kaum ein anderer Künstler hat sie so durchdrungen und in mehreren Phasen neu für sein eigenes Schaffen definiert wie Prelog. Seine „Schriftbilder“ sind archaische Hieroglyphen der Gegenwart, die oftmals den mesopotamischen Keilschrift- oder biblischen Tontafeln gleichen und über ein großes erzählerisches Repertoire verfügen. Der Künstler vollzieht hier gewissermaßen die Geburt des Bildes aus den Linien der Schrift.

Drago Prelogs rhythmisierte, poesievolle Schriftbilder sind
Zeugnisse sensiblen Einfühlungsvermögens und spontanen Reagierens. ART-FACTS

„Ich bilde nicht ab, ich setze Zeichen“, sagt Prelog über seine Malweise. Anfang der 1980er-Jahre entwickelt er seine „Buchstaben-Bilder“. Rudimentäre Elemente der Umlaufspur, durch sich wiederholende Gesten der Hand oder des Körpers erzeugt, führen zu Zeichen, einer Winkelform etwa oder einem Halbkreis oder zu waagrecht liegenden Linienbündeln. Diese Formen ordnet Prelog jeweils einem Buchstaben zu, so dass sein „persönliches Alphabet“ entsteht. In seinen neuen Arbeiten erfolgt eine Verwandlung der Linie in zum Teil pure, sinnliche und farbintensive Malerei, bei der die Linie in überraschender Weise zum Strukturprinzip der Malfläche wird.

Lehraufträge an der Akademie. 1939 in der slowenischen Stadt Celje geboren, kommt Drago J. Prelog im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern nach Österreich und wächst in der Obersteiermark auf. Von 1954 bis 1958 besucht er die Kunstgewerbeschule in Graz, ehe er von 1958 bis 1962 bei Albert Paris Gütersloh an der Akademie der Bildenden Künste in Wien studiert. 1959 kommt es zu seiner ersten Ausstellung in Wien, ab 1960 gehört er dem Künstlerkreis um Monsignore Otto Mauer an. 1964 folgt ein Studienaufenthalt in der Schweiz, 1969 bis 1979 ein Lehrauftrag für Malerei, 1974 bis 1998 ein Lehrauftrag für Schrift und Schriftgestaltung an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Ab 1969 ist er Assistent von Josef Mikl, dem er bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden bleibt.

Prelografie. Ab 1977 entwickelt Prelog die sogenannten Umlaufbilder. Das Bildgeschehen wird als Spannungsträger zwischen zentraler Formation und Bildrand betrachtet. Wie ein Schamane umkreist Prelog das flach liegende Bild und zieht seine Linien entlang der Bildränder und Bildecken. 1986 entsteht die „Prelografie“, eine Schablonenrelief-Technik mit Acrylfarbe und Strukturmasse. 1999 erhält Prelog den Professortitel. Er stellt in Basel, Zürich, Antwerpen, Köln, Zagreb, Rijeka, Ljubljana, Vicenza, Wien, Salzburg, Graz, Linz, 1974 auch im „Haus der Begegnung“ in Eisenstadt aus. Prelog zählt zu den bekanntesten zeitgenössischen österreichischen Künstlern, er lebt heute in Wien.

Drago Prelog, Eine gemalte Biographie, OHO, 3. bis 30. Juni, Mo-Fr 9-14 Uhr und nach Vereinbarung unter 03352-38555.

Freitag, 10. Juni 2016

Nach der Natur – Naturnähe zeigt die Burgenländische Landesgalerie in der Reihe art[dialog]

Zwei burgenländische Künstlerinnen, Michaela Foltin und Franziska Schmalzl, und zwei Künstlerinnen aus Deutschland, Angela M. Flaig und Alexandra Deutsch, gehen der Frage nach, wie sie sich die Natur zunutze machen und welche Strategien sie der Natur entlehnen und in ihren künstlerischen Prozess einfließen lassen können. Eine spannende Spurensuche in der Burgenländischen Landesgalerie in Eisenstadt.

Franziska Schmalzl glamour gemüse. SCHMALZL
Alexandra Deutsch, 1968 in Karlsruhe geboren, erfindet ihren eigenen, poetischen Kosmos. Ihre Objekte erinnern an Vertrautes, an Pflanzen, Blüten, Meerestiere, Landschaften und Planeten und erscheinen doch fremdartig und geheimnisvoll, verwandelt durch eine organisch-abstrakte Formsprache. Von 1988 bis 1995 studiert sie Bildende Kunst an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. 1992 folgt ein Gaststudium an der Ecole des Beaux Arts Dijon, Frankreich.

Auch Angela M. Flaig, 1948 in Schramberg geboren, wählt ihre schlichten und filigran-formvollendeten Materialien aus der Natur. Ihre Objekte zeichnet dank der Zartheit der Rohstoffe eine Fragilität und Verletzlichkeit bei gleichzeitiger meditativer Kraft und lyrischer Schönheit aus. Von 1966 bis 1970 studiert sie in Rottweil Pädagogik und unterrichtet von 1970 bis 2011 an Grund- und Hauptschulen. Sie ist Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg und stellt seit 1977 im In- und Ausland aus. Heute lebt und arbeitet sie in Rottweil-Hausen.

Die 1984 geborene Wulkaprodersdorferin Michaela Foltin löst in ihren großformatigen Arbeiten in der Natur vorhandene Formen heraus und abstrahiert sie mit einer kräftigen, mutigen Malweise. 2011 nimmt sie an der „Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg“ teil. Künstlerische Ausbildung erhält sie bei Hubert Scheibl, dem Schweizer Künstler Hanspeter Hofmann, der Britin Charlotte Cullinan und dem deutschen Künstler Bernhard Martin. 2014 eröffnet sie in Wulkaprodersdorf ihre eigene Galerie „Kunstraum 40“.

Die 1970 in Mischendorf geborene Franziska Schmalzl studiert Philosophie, Psychologie und Kunsttherapie in Wien und arbeitet jahrelang in der Werbebranche. Ihre Arbeiten werden in der Schweiz, in Österreich, Deutschland, Luxemburg, Italien und den USA ausgestellt. Heute lebt und arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in Mischendorf und in Wien. Ihre farbenprächtigen Pflanzen, Insekten und Vögel entführen die Betrachter in ein Reich sprühender geheimnisvoller Phantasiewelten und lassen durch ihre verspielten Bildtitel humorvolle Geschichten entstehen.

art[dialog], Deutsch - Flaig - Foltin - Schmalzl, bis 19. Juni 2016, Landesgalerie Burgenland, Eisenstadt, Franz Schubert-Platz 6,
Mo-Sa 9-17, SO/Ftg 10-17 Uhr, Eintritt frei.