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Kirche, Kunst und Kultur

© Diözese Eisenstadt

Freitag, 27. Mai 2016

Garten der Erinnerung – Die Künstlerin Dvora Barzilai gestaltet jüdische Gedenkstätte in Frauenkirchen

Bei Erdarbeiten stößt man 2014 durch Zufall auf Reste der ehemaligen barocken Synagoge von Frauenkirchen. Bald entsteht der Plan, an dieser Stelle eine Gedenkstätte zu errichten. Der Frauenkirchner Architekt Martin Promintzer und die Künstlerin Dvora Barzilai entwickeln dazu ein Konzept mit der Bezeichnung „Garten der Erinnerung“. Herzstück sind drei Skulpturen von Dvora Barzilai. Auf Bronzetafeln werden die Familiennamen der vertriebenen jüdischen Frauenkirchner verewigt.

Dvora Barzilai bei ihrer Arbeit an der Thora-Rolle für die Gedenkstätte in Frauenkirchen. BARTOLI

Unweit von Frauenkirchen, in einem Gräberfeld bei Halbturn, machen Archäologen im Jahr 2006 einen Sensationsfund: das bisher älteste Zeugnis jüdischen Lebens auf österreichischem Boden, ein mit einer jüdischen Gebetsformel beschriftetes Amulett aus dem 3. Jahrhundert. Dvora Barzilai scheint an das Amulett mit ihren reliefartigen Arbeiten anschließen zu wollen. Vor der Gebäudefront befindet sich eine gesetzte Wand, die stilistisch die ehemalige Tempelfront skizziert. Die abstrahierte Thorarolle aus Bronze zum Gedenken an die jüdische Gemeinde und den zerstörten Tempel ruht auf einem kubischen Steinsockel. Das dritte Element des Gedenkparks sind die Tafeln mit den Namen der vertriebenen jüdischen Familien, die metaphorisch auf einen Thoraschrein Bezug nehmen.

NS-Terror. Die durch einen Glaskubus geschützte Ausgrabungsstätte mit den Fragmenten der ehemaligen barocken Synagoge und den zerbrochenen Säulen weist auf die Zerstörung des Tempels hin. Der „Garten der Erinnerung“ will sowohl informieren und erinnern, als auch zum Gedenken und Verweilen anregen. Frauenkirchen war eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden im Burgenland. Als die Nationalsozialisten die Macht im Burgenland übernahmen, begannen die Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung. Auch in Frauenkirchen folgten Terror, Einschüchterung, Demütigungen und Diebstahl. Am 26. März verhaftete die Gestapo zehn der wohlhabenderen Familien, ungefähr 60 Personen, und trieb sie über die ungarische Grenze, wo sie tagelang im Niemandsland umherirrten.

Seit 25 Jahren in Wien. Dvora Barzilai wird 1961 in Tel Aviv geboren. Sie studiert Päda-
gogik, Malerei, Computer- und Druckgrafik sowie Bildhauerei in Tel Aviv und Bne Brak. Durch ihren Mann, dem 1957 in Jerusalem geborenen Oberkantor der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, Shmuel Barzilai, kommt sie mit ihren drei Kindern 1992 nach Wien, wo sie zunächst Gastdozentin an der Universität für angewandte Kunst wird. An der Universität Wien lernt sie bei Prof. Kurt Schubert die deutsche Sprache. Für die Universitäten in Wien und Innsbruck schafft sie Skulpturen. Sie stellt in Österreich, Israel, Bulgarien, Rumänien und Russland aus. Religion und jüdische Traditionen sind eine wesentliche Inspirationsquelle für ihre Arbeit, mit der sie den Menschen die jüdische Kultur näher bringen und Hemmschwellen abbauen möchte.

Freitag, 20. Mai 2016

Schwebezustände – Ensemble Gerersdorf begeht 40-Jahr-Jubiläum und 75 Jahre Gerhard Kisser

Das Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf begeht heuer sein 40-Jahr-Jubiläum. Dazu wird es eine Sonderausstellung mit dem Titel „Wie es begonnen hat“ geben. Das im Jahr 1976 von Gerhard Kisser gegründete Freilichtmuseum in der Gemeinde Gerersdorf-Sulz, das mittlerweile auf 32 Objekte – zumeist strohgedeckte alte Wohn- und Wirtschaftsgebäude – angewachsen ist, stellt jedes Jahr auch namhafte Künstler aus. Für heuer sind das die Maler Ulrich Gansert und Clemens Kindermann sowie der Bildhauer Oskar Höfinger.

Clemens Kindermann versucht, mit minimalen Mitteln eine Spannung zwischen Nähe und Distanz darzustellen. KINDERMANN

Clemens Kindermann hat einen engen Burgenland-Bezug. Seine Eltern haben ein Anwesen in Pamhagen erworben und zu einer künstlerischen Werkstatt umgebaut. Der Vater, Gustav Kindermann, war ein international gefragter Textil-Designer, zu dessen Kunden Liz Taylor, das schwedische Königshaus, arabische Harems, Schiffe und große internationale Hotels zählten und der Theater- und Opernhäuser ausstattete. Auch Carola Kindermann, die Mutter, ist eine renommierte Künstlerin. 1977 geboren studiert Clemens Kindermann Kunstgeschichte, Malerei und Philosophie und wendet sich bald der Malerei zu.

Abstraktion und Abbild. Er entwickelt einen eigenen Stil, den er selbst als Kombination von Gegenständlichkeit und Abstraktion bezeichnet. Mit minimalen Mitteln versucht er, eine Spannung zwischen Nähe und Distanz darzustellen. Aus entsprechender Entfernung lassen sich die Züge eines Porträts in erstaunlicher Präzision erkennen. Es ist eine Art Schwebezustand zwischen Abstraktion und Abbild. Kindermanns Technik enthüllt erst auf den zweiten Blick die gewohnte erzählerische Ebene seiner Bildwelten und Skulpturen und öffnet damit einen Zugang zu vieldeutiger Auseinandersetzung mit Skulptur als Material und dessen Deutungsmöglichkeiten.

Kreuzweg für Linzer Pfarre. Für die Pfarre St. Peter in Linz hat er eine Neudeutung des Kreuzweges geschaffen. Seine Arbeiten verdeutlichen Hilfsbereitschaft, aber auch persönliche Sorgen, in der gemeinsamen Eucharistiefeier mit der Gemeinde zu teilen. So bildet die 8. Station „Begegnung Jesu mit den weinenden Frauen“ aus umsichtig angeordneten, gefärbten Stoffbahnen einerseits die Trauerszene ab, bietet aber als kunstfertiges Lumpenbündel zugleich eine mehrdeutige Skulptur, die die konkrete Szene mit dem assoziativen Bildgedächtnis der Gegenwart verbindet.

Ausstellungen. Clemens Kindermann hat in der Galerie Ernst Hilger, im Erzbischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Wien, im Wiener Museumsquartier und im Künstlerhaus Wien sowie in der Burgenländischen Landesgalerie in Eisenstadt, im Schloss Halbturn, in der Sammlung Peter Infeld und im Tanzquartier Wien ausgestellt.
Clemens Kindermann, Zwischen Nähe und Distanz, Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf, bis 12. Juni, täglich 10-18 Uhr, Eintritt: 5,50

Freitag, 6. Mai 2016

Gärten als Begegnungsort – Dem Thema „Gärten“ widmet sich die Frühjahrsausstellung in der Galerie Infeld in Halbturn

Der Garten als Inspirationsquelle, Terrain für Naturforschung, Zufluchtsort und faszinierende Kulisse für Unterhaltung, der Garten als Ort der Begegnung zwischen Mensch und Natur. Die neue Ausstellung im Infeld Haus der Kultur widmet sich der Entfaltung gestalteter Natur in der Kunst. Die mehr als hundert gezeigten Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Drucke stammen aus der Sammlung Infeld und wurden seit Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart geschaffen.

Edo Murtic, „Mediteraner Garten“, Aquarell, 1997, INFELD

Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt bei Werken der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, und hier vor allem auf den märchenhaften Pflanzenkreationen von Wolfgang Hutter. Als besonders reizvoll erweist sich das Motiv des Gartens für Maler der Naiven Kunst. Die Variationen reichen von der überdimensionalen, sich auftürmenden Blumenpracht von Ivan Rabuzin bis zu realistischen, funktional dargestellten Obstgärten von Mara Puskaric-Petras. Beeindruckende Interpretationen zum Thema bieten auch die Outsider- und Art Brut Künstler. Zu sehen sind minimalistische, sparsam dargestellte Tulpen von Oswald Tschirtner, opulente Blumeninszenierungen von Fritz Opitz und pedantisch geordnete Blumen von Heinrich Riesenbauer.

Von Ringel bis Warhol. Die Beobachtung der Szenerie aus Pflanzen und Bäumen und dessen ständige Veränderung durch Licht, Wind, Sonne und Wolken inspirierten auch die Maler der Künstlergruppe „Wirklichkeiten“ wie Franz Ringel oder Robert Zeppel-Sperl, faszinierende Gartenbilder und florale Kompositionen zu kreieren. Schließlich ist auch die Pop Art mit Siebdrucken in mehreren Farbvariationen eines Vierblumenmotivs von Andy Warhol und der Farbexplosion eines öffentlichen Parks von James Rizzi vertreten.

Klassische Moderne. Vertreter der Klassischen Moderne wie Oskar Kokoschka und Josef Dobrowsky vervollständigen die Gartenschau auf Leinwand und Papier. Peter Infeld (1942-2009) und seine Mutter Margaretha Infeld (1904-1994) begannen Mitte der 1960er-Jahre Kunst zu sammeln. Als Schwerpunkte der Sammlung gelten die Wiener Schule des Phantastischen Realismus, naive Kunst aus Kroatien, Pop Art, buddhistische Meditationsbilder aus Tibet, sog. „Thangkas“ und Art Brut. Um die Werke einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ließ der Kunstmäzen Peter Infeld im burgenländischen Halbturn und im idyllischen Ort Dobrinj auf der kroatischen Insel Krk repräsentative Kulturzentren errichten. Insgesamt fanden bereits mehr als 100 Ausstellungen statt.
Gärten, Infeld Haus der Kultur, Halbturn, Parkstraße 13, geöffnet bis 29. Mai 2016, Do – So 13-18 Uhr, sowie an Feiertagen, Eintritt frei