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Kirche, Kunst und Kultur

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Montag, 25. Januar 2016

Liebe, Tod und Einsamkeit – Edvard Munch (1863-1944) gilt als Inbegriff des an der Existenz leidenden Künstlers

Nur noch bis diesen Sonntag ist eine bemerkenswerte Ausstellung in der Wiener Albertina mit rund 100 Werken des norwegischen Malers Edvard Munch zum Thema „Liebe, Tod und Einsamkeit“ zu sehen. Seine Lithografien, Radierungen und Holzschnitte stellen den absoluten Höhepunkt der Druckgrafik des 20. Jahrhunderts dar. Einsamkeit, Liebe und Tod ziehen sich wie ein roter Faden durch Munchs Werk. Munch ist nicht nur ein Seismograf einer Zeit im Umbruch, viele seiner Arbeiten setzen sich mit religiösen Inhalten auseinander.

Edvard Munch, Golgotha, 1900. ALBERTINA

Der Direktor der Albertina, Klaus Albrecht Schröder, schwärmt in höchsten Tönen von seiner Ausstellung: „Es ist wahrscheinlich die schönste Druckgrafikausstellung, die es jemals gegeben hat.“ 100 ausgewählte Werke werden auf 1.000 Quadratmetern präsentiert. Die großzügige Anordnung lässt auch viel Platz für Munchs dichterisches Werk, das weit über das Dargestellte hinausgeht. Die letzte Munch-Ausstellung in der Albertina im Jahr 2003 hatte rekordverdächtige 260.000 Besucher angelockt.

Der Schrei. Zu seinem wohl berühmtesten Bild „Der Schrei“ notiert der Maler: „Ich ging die Straße hinunter, als die Sonne unterging. Und sich der Himmel plötzlich blutrot färbte. Ich blieb stehen, lehnte mich todmüde an das Geländer … und ich fühlte, dass ein unendlicher Schrei durch die Natur ging.“ Der Dichter August Strindberg, ein Freund Munchs, meint: Der Maler hörte den Schrei der Natur, „und des Entsetzens vor der Natur, die vor Zorn errötet und sich anschickt durch Sturm und Donner zu den törichten kleinen Wesen zu sprechen, die sich einbilden, Götter zu sein, ohne ihnen zu gleichen“. Den Schrei als akustische Äußerung zu malen, ist Munch unnachahmlich gelungen.

Gott ist in uns. Edvard Munch wird in eine streng religiöse evangelische Familie hineingeboren, er wird „notgetauft“, aus Angst, er könne sterben. „Krankheit, Wahnsinn und Tod hielten wie schwarze Engel Wache an meiner Wiege. Sie haben mich mein ganzes Leben begleitet“, schreibt er. Die Mutter stirbt früh an Tuberkulose, Munch ist gerade einmal fünf Jahre alt. Auch seine um ein Jahr ältere Schwester, mit der ihn eine innige Seelenverwandtschaft verbindet, stirbt neun Jahre danach ebenfalls an Tuberkulose. Sein eigenes Leben sieht Munch als etwas, „das nicht einmal den Anschein von Glück kennt, ja sich gar nicht nach Glück sehnt.“ Sein seelisches Erleben bleibt bis heute inspirierend. Er bekennt: „Gott ist in uns und wir leben innerhalb von Gott, einem ursprünglichen und originalen Licht von überall her.“ Seine Werke sind ein Hoffnungsschimmer, auch in den Bildern tiefster Verzweiflung.

Edvard Munch. Liebe, Tod und Einsamkeit. Albertina Wien, bis 24.1.2016, täglich 10-18 Uhr, Eintritt: 12,90