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Kirche, Kunst und Kultur

© Diözese Eisenstadt

Freitag, 2. Dezember 2016

NN-fabrik Oslip öffnet nach dem frühen Tod von Johannes Haider wieder seine Pforten Für Augen und Ohren

Der frühe, plötzliche und tragische Tod von Johannes Haider vor zwei Jahren hat viele Kunstfreude schmerzlich berührt. Nun hat die von ihm initiierte und betriebene „NN-fabrik“ in Oslip ihre Pforten wieder geöffnet. An den kommenden Samstagen werden Arbeiten von Thomas Baumgärtel, Kiddy Citney, Pavel Schmidt, Josef Danner, Fria Elfen, Hüseyin Isik und Johannes Haider gezeigt.

Johannes Haider befasste sich mit Malerei, Radierungen und Skulpturen im öffentlichen Raum und in seinem Skulpturengarten in Oslip. NN-FABRIK


Die ausgestellten Künstler haben alle einen Bezug zu Johannes Haider. Thomas Baumgärtel, 1960 in Rheinberg geboren, ist als „Bananensprayer“ bekannt. Seine in Pochoir-Technik gesprayten Bananen erinnern an Andy Warhol und sind heute an den Eingängen von etwa 4.000 Kunstmuseen und Galerien in Städten auf der ganzen Welt zu finden. Der 1956 in Bratislava geborene Pavel Schmidt ist ein slowakisch-schweizerischer Künstler. Er lebt heute in Solothurn, war Assistent von Daniel Spoerri und hat vorübergehend dessen Meisterklasse geleitet. Auch Arbeiten des als „Mauerkünstler“ bekannt gewordene Kiddy Citney sind zu sehen.

Neu im Programm der NN-fabrik vertreten ist der in Wien und Zurdorf lebende kurdische Künstler Hüseyin Isik. Er beschäftigt sich mit Fremdsein, Identität und Rassismus und setzte sich mit dem Roma-Attentat in Oberwart künstlerisch auseinander. Ebenfalls neu dabei sind Josef Danner, 1955 in Amstetten geboren, der mit seinem Glasfenster für die Grazer Kirche St. Andrä für Aufsehen sorgte, und die Grande Dame der burgenländischen Kunstszene, Fria Elfen, Schülerin von Herbert Boeckl und Albert Paris Gütersloh, deren Raum- und Lichtinstallationen und feinsinnigen Collagen aus Fotoelementen, Texten und Schriftresten transzendente Ahnungen hervorrufen.

Früher Tod nach Sturz. Johannes Haider wurde 1954 in Eisenstadt geboren. Er studierte an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien bei Wilhelm Cermak, Bazon Brock und Peter Weibel. 1991 gründete er mit dem Autor Siegmund Kleinl die Galerie „NN-fabrik“. In seinem Atelier in Oslip betrieb er einen Skulpturengarten und pflegte eine enge Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern und Autoren auf nationaler und internationaler Ebene. Er stellte in Wien, Köln, Hamburg, Karlsruhe, Hannover, Bonn, Kaiserslautern, Strasbourg, Udine und Rio de Janeiro aus. Im September 2014 starb Haider nach einem Sturz in seinem Haus in Slip.

Für Augen und Ohren, NN-fabrik Oslip, Sachsenweg 18; 3., 10. und 17. Dezember 2016, jeweils 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter 0676 930 69 59 bei freiem Eintritt

Freitag, 25. November 2016

Bilderwitz und Zeitkritik – Wolfgang Horwath, Paul Muehlbauer und Georg Vinokic in der Maierhofer-Mühle

Drei Künstler aus dem Südburgenland geben sich ein humorvolles Stelldichein, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Doch Vorsicht: Die Idylle täuscht. Denn dahinter stecken auch dunkle Geschichten. Und eine gehörige Portion Kritik. Bei Paul Muehlbauer ist es oft eine mahnende Bitterkeit, eine „comicgewordene Gesellschaftskritik, bei der das Schaudern erst nach dem Grinsen kommt“, wie die Journalistin Bettina Oberrainer formuliert. Georg Vinokic macht sich Gedanken über gesellschaftspolitische Zusammenhänge, und Wolfgang Horwaths feinsinnige Arbeiten sind kritische und philosophische Reflexionen der gesellschaftlichen Diskrepanzen.

Georg Vinokic, Vasa 2012-2013, Acryl auf Leinwand VINOKIC
In der Gemeinde Unterlungitz am Ostrand des oststeirischen Hügellandes betreibt Barbara Maierhofer ein idyllisches Ausflugsgasthaus und zeigt auch Ausstellungen.

Paul Muehlbauer wird 1963 in Judenburg geboren. Seit 1993 lebt er als freischaffender Bildhauer im südburgenländischen Olbendorf. Ausstellungen führen ihn nach Hongkong, Shanghai, Los Angeles, Miami, Amsterdam und Wien. Seine langgestreckten, oft ins Groteske verzerrten Arbeiten sind stets mit hintergründigem Witz versehen.

Wolfgang Horwath, 1952 in Eisenstadt geboren, lebt in Buchschachen. In seinen Arbeiten trifft man auf „unterschwellige räumliche Farbharmonien, auf denen Zeichen schwimmen, eine Art Zeichenschrift in Analogie zu veränderlichen, gegenwärtigen, weltlichen Prozessen. Horwath formt seine Themen im diskursiven Gegenspiel von Linie und Sinn. Das offensichtliche Gegenspiel von Konstruktion und Destruktion innerhalb seiner Werke verweist auf ein Außerhalb, das einen Diskurs eröffnet“, schreibt der Münchner Fotokünstler Dieter Rehm über ihn.

Georg Vinokic wird 1965 in Novi Sad in der serbischen Provinz Vojvodina geboren und lebt seit 1991 in Österreich, nachdem er seine Heimat verlassen musste. Auch er betreibt wie Horwath in Buchschachen ein Atelier. Von 1984 bis 1990 studiert er Petrochemie an der Universität Novi Sad. Er stellt in Wien, Graz, Paris, Berlin, Barcelona, Belgien, Frankreich und Holland aus. Seine bevorzugten Themen sind Heimat, Zusammenleben, die Rolle der Frau in der Gesellschaft, wobei ihn vor allem der Blick ins Innere und das oftmals ambivalente Verhältnis zwischen Fremdbild und Selbstbild interessieren.
Malerei Skulpturen Zeichnungen – Wolfgang Horwath, Paul Muehlbauer & Georg Vinokic, Maierhofer-Mühle, Unterlungitz, bis 4. Dezember 2016, Mi–So 10-22 Uhr

Freitag, 18. November 2016

Anderswo und Hier – Ein- und Zuwanderung, interkultureller Austausch und Begegnung in der Landesgalerie

Was ist mir vertraut? Wo bin ich beheimatet? Wo nicht? Was ist mir nahe? Was ist mir fremd? Vor diesem Hintergrund entstehen Bilder und Vorstellungen, Bilder von Mehrheiten und Minderheiten, Bilder, die Ausdruck von Sehnsüchten sein können oder andere, die leicht zu Vorurteilen werden. Eine Ausstellung in der Burgenländischen Landesgalerie thematisiert unterschiedliche kulturelle Traditionen.

Alle Künstlerinnen und Künstler haben entweder eine multikulturelle Biographie oder beschäftigen sich mit dem Thema Multi- und Inter-Kulturalität. ASK-ENRICO
Globalisierung, Mobilität, Migration, Flucht und Medien, vor allem das Internet, sind
heute maßgebend Kräfte gesellschaftlicher Veränderung. Sie werden von Fragen nach dem Anderen, dem Fremden begleitet, aber auch nach dem Eigenen, das teilweise fremd geworden ist oder sich im Vergleich klarer profiliert.

Flucht, Gewalt, wirtschaftliche Probleme. Gezeigt werden Arbeiten von Heide Aufgewekt, Josef Danner, Adel Dauood, Hüseyin Isik, Tobias Hermeling, Judith Huemer, Anna Jermolaewa, Pauline Marcelle und Deniz Sözen. Sie alle haben einen persönlichen Bezug zu den Themen Flucht, Gewalt und wirtschaftliche Probleme. Tobias Hermeling etwa, 1974 in Halle an der Saale geboren, flüchtet 1989 als Jugendlicher mit seinen Eltern über Ungarn nach Österreich. Heute wohnt und arbeitet der Maler und Multimediakünstler in Neusiedl am See. Von seinen späteren Besuchen bei Verwandten in der ehemaligen DDR bringt er Zeitschriften, Fotos und persönliche Erinnerungen mit und verarbeitet sie in seinen Bildern.

Der Krieg beherrscht alle. Ein anderes Beispiel ist Adel Dauood. Er wird 1980 in Syrien geboren, absolviert ein Studium am Zentrum der Bildenden Künste in Al-Hasaka sowie am Institut für Bildende Künste an der Universität Damaskus. Dann muss er flüchten und landet schließlich in Wien. In seinen Arbeiten verarbeitet er seine Kriegserfahrungen. Selbst in seinen Tiermotiven bringt er das Animalische und Bestialische zum Ausdruck. Er sieht das als rebellische Reaktion auf den erlebten Schmerz und die Grausamkeiten in seinem Land. Der heute in Wien und Zurndorf lebende Hüseyin Isik kommt aus Kurdistan. Als Karikaturist und Zeichner ist er für große Tageszeitungen und für verbotene Zeitschriften tätig. 1984 nimmt er an einer Ausstellung gegen die Todesstrafe teil. 1988 kommt er nach Wien. Die Themen Identität, Rassismus, Fremdsein beschäftigen ihn. In seine Heimat Türkei darf er nicht mehr einreisen.

Anderswo und Hier – Interkulturelle Positionen in der Kunst, Landesgalerie Burgenland, Eisenstadt, Franz Schubert-Platz 6, bis 18. Dezember 2016, Di-Sa 9-17, So/Ftg 10-17 Uhr, Eintritt frei

Freitag, 28. Oktober 2016

Das Thema Liebe steht im Mittelpunkt einer Ausstellung im Kunsthaus Infeld in Halbturn. Liebeswerben

Dem Liebeswerben und der Darstellung von Liebespaaren widmet sich die neue Ausstellung im Infeld Haus der Kultur in Halbturn. Schöne Träume, unerfüllte Leidenschaften, zärtliche Annäherungen, zarte Romanzen und leidenschaftliche Affären – so vielfältig die Liebe im menschlichen Leben ist, so variantenreich sind die künstlerischen Zugänge zu diesem beliebten Thema.

„Liebeswerben“: Das Motiv von Otto Rudolf Schatz (1900-1961) drückt eine ungemein dichte Zärtlichkeit aus.
INFELD
Die im Infeld Haus der Kultur ausgestellten Liebesvariationen reichen von biblischen Darstellungen von Ernst Fuchs („Samson und Delilah“) bis zu den Inszenierungen des deutschen Künstlers Hans Bellmer. Zögernde Annäherungen und elegante Liebespaare beschäftigen den Schriftsteller und Zeichner Fritz von Herzmanovsky-Orlando und den in Farbvariationen verliebten Maler des Phantastischen Realismus Wolfgang Hutter. Die Bereitschaft, den Balanceakt zwischen Nähe und Distanz in der Ehe zu wagen, ist in der Gouache „Die Verlobten“ vom Vater der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, Albert Paris Gütersloh, erkennbar. Verliebtheit, Treue, Verbundenheit und Geborgenheit malen Mara Puskaric-Petras und Nada Svegovic-Budaj, beide Stellvertreterinnen der Kroatischen Naiven Malerei.

Romantisch und tragisch, mitunter auch reichlich lustig, spiegeln sich Träume, Triebe, Macht und Ohnmacht der Verliebten im menschlichen Kunstschaffen und werden moralisch und kulturell codiert. Pop Art Künstler wie Allen Jones und Sandro Chia zeigen Paare beim zärtlichen Amüsement, Stellvertreter der Art Brut aus Gugging, wie Oswald Tschirtner und Josef Bachler, setzen keusche und sinnesfreudige Paare zeichnerisch um. Arbeiten voll Leidenschaft von Alfred Hrdlicka und Aquarelle von Otto Rudolf Schatz ergänzen die Schau.

Die Sammlung Infeld betrifft vorwiegend moderne und zeitgenössische Kunst und besteht seit Mitte der 1960er-Jahre. Sie umfasst über 3000 Gemälde und Skulpturen. Neben Werken von Andy Warhol, Arnulf Rainer, Alfred Hrdlicka, Hundertwasser und Picasso besteht die Sammlung aus einer eindrucksvollen Anzahl an Werken Naiver Kunst vor allem aus Kroatien, Werken der Art Brut und der größten Sammlung der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Seit 1997 ist die Sammlung in eine Stiftung eingebracht und gelangt seither nach und nach an die Öffentlichkeit.

Liebeswerben, Infeld Haus der Kultur, Halbturn, Parkstraße 13, bis 6. November 2016, Do-So 13-18 Uhr, sowie an Feiertagen, Eintritt frei

Freitag, 14. Oktober 2016

Herbert Schügerl zu „500 Jahre Reformation“ in Stadtschlaining – Heilige, Ketzer, Pharisäer

Was ist ein Heiliger, was ein Ketzer, was ein Pharisäer? Spiegelt die jeweilige Bezeichnung vielleicht nur die Meinung bestimmter Denkweisen wider? Ist alles nur eine Frage der Perspektive des Betrachters? Wie haben Persönlichkeiten wie John Wyclif, Jan Hus, Erasmus von Rotterdam oder Martin Luther ausgesehen, die Geschichte und Gesellschaft auf ihre ganz eigene Art nachhaltig geprägt haben? Welche Frauen waren mit am Werk? Herbert Schügerl hat sich mit seinem für ihn typischen Augenzwinkern auf die Suche nach möglichen Antworten gemacht.

Schügerl deutet die Gesichtszüge nur zart an,
wie hier beim Sächsischen Kanzler Gregor Brück (1484-1557).
CONZENTRUM
Es ist eine spannende Zeit, in der Martin Luther lebt. Markante Persönlichkeiten prägen sie: der niederländische Gelehrte Erasmus von Rotterdam, Papst Leo X., aus dem Florentiner Geschlecht der Medici und bereits im Alter von 37 Jahren als Nichtkleriker zum Papst gewählt, Kurfürst Friedrich III. von Sachsen, der Weise genannt, der düstere Bußprediger und Dominikaner Girolamo Savonarola, 1498 als „Häretiker, Schismatiker und Verächter des Hl. Stuhles“ exkommuniziert und hingerichtet. Schügerl porträtiert sie für die Ausstellung zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation und hält uns, wie man das von ihm gewohnt ist, auch heute einen ewig gültigen Spiegel vor Augen.

Augenöffner. Herbert Schügerl, 1948 in Neudörfl an der Leitha geboren, hat an der Universität Wien Philosophie und an der Akademie der Bildenden Künste Wien studiert. Er ist – ganz im Sinne seines Lehrers an der Akademie am Schillerplatz, Max Melcher – ein Augenöffner, der uns auf Dinge und Zeiterscheinungen hinweist und aufmerksam macht. Melcher meinte einmal: „Was ist es, was man homo graphicus nennen könnte? Den Phantasten, verkappten Agitator, Augenöffner, Meinungsbildner in der Druckerschürze, den Wolf im Schafpelz.“

Arbeiten für kirchliche Räume. Schügerl hat in zahlreichen Galerien im Inland sowie in Paris, New Dehli, Berlin, New York, Béjar, Valencia, Madrid, Barcelona, Sevilla, Àvila, Genf, London und Warschau ausgestellt. Seine Werke befinden sich im Besitz der Albertina, des ORF, der Burgenländischen Landesregierung, der Stadt Graz, der Akademie der bildenden Künste u. a. Im Burgenland hat er die Altarbilder in Neudörfl und Kemeten, die Altarraumgestaltung, einen Kreuzweg und Glasfenster in der Kirche von Neutal, einen Brunnen für die Therme Lutzmannsburg, den Glockenturm der evangelischen Kirche Riedlingsdorf sowie Glasfenster in der Leichenhalle von Kemeten gestaltet.
Herbert Schügerl, Heilige, Ketzer und Pharisäer – zu „500 Jahre Reformation“, Evangelische Kirche Stadtschlaining, 13. Oktober bis 20. November 2016, geöffnet nach jedem Sonntags-Gottesdienst bis 11.30 sowie von 14-16 Uhr nach Vereinbarung unter 03355 2212

Freitag, 2. September 2016

Fluchtpunkt Europa – 16. Kunstsymposium des eu-art-network in der Cselley-Mühle in Oslip

Seit dem Jahr 2001 findet das internationale Kunstsymposium „eu-art-network“ zu thematisch definierten Schwerpunkten in den Bereichen Bildende Kunst, Neue Medien, Musik, Tanz und literarische Texte in der Cselley-Mühle in Oslip statt. Für das heurige Jahr wurde das Thema „Flucht“ als Metapher für die gegenwärtige Situation in Europa gewählt.

Hans Wetzelsdorfer, Fluchtpunkt Europa WETZELSDORFER

In der Konstruktion von Perspektive versteht man unter einem Fluchtpunkt jenen definierten Punkt, in dem Linien zusammenlaufen, die in Wirklichkeit parallelen Linien entsprechen. Vordergründig drängt sich die Auslegung des Begriffes im Zusammenhang mit der Migrationsflut, dem das geeinte Europa gerade ausgesetzt ist, buchstäblich auf. Menschen wählen in ihrer Not Europa als den möglichen „Fluchtpunkt“, verbunden mit der Hoffnung, zu überleben und damit eine Perspektive in ihrem Leben zu konstruieren. Aber auch eine Auslegung der Definition eines Fluchtpunktes auf ein Europa, das gerade einer Zerreißprobe ausgesetzt ist, scheint legitim. So scheinen viele parallel
verlaufende Problemlinien seitens der Konstrukteure Europas keinen gemeinsamen „Fluchtpunkt“ zu finden, um das Modell Europa in eine mögliche perspektivische Ausformung zu führen.

Aktueller Themenkomplex. Massive Zuwanderung, die Schließung der Grenzen, der systematische Abbau von sozialstaatlichen Errungenschaften, bis hin zu den damit verbundenen Ängsten in den Gesellschaften, sowie einer drohenden Regression in die Nationalstaatlichkeiten, so lautet der Themenkomplex, der im Focus des diesjährigen 16. Symposiums von eu-art-network stehen wird. Künstlerinnen und Künstler aus Europa und aus den Auswanderungsländern werden sich ihm widmen.

Künstler aus 9 Ländern. Zusammengefasst werden diese künstlerischen Perspektiven zum zweiten Mal in einem „cahier d´art“, das diesen Botschaften publizistischen Raum gibt, der die künstlerischen Intentionen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiterträgt – bis zu den politischen Entscheidungsträgern Europas. Kunst soll als unabdingbares Kommunikationsmittel in unserer Gesellschaft dargestellt werden. Die Teilnehmer des Symposions kommen aus Deutschland, Italien, Österreich, Russland, der Slowakei und Ungarn. Auch Teilnehmer aus Syrien, der Türkei und dem Irak sind eingeladen. Aus dem Burgenland kommen Wolfgang Horwath, Klaus Ludwig Kerstinger, David Kleinl, Siegmund Kleinl, Sepp Laubner, Robert Schneider, Peter Wagner und Hans Wetzelsdorfer. Die Ergebnisse werden nach einer intensiven Arbeitsphase ab 3. September der Öffentlichkeit präsentiert.
Fluchtpunkt Europa, Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Installationen, Fotografie, Cselley-Mühle Oslip, bis 11. September 2016

Freitag, 29. Juli 2016

Grüß mir die schönen Frauen … – 12 Geschichten über Musik und Liebe von Joseph Haydn im Haydnhaus Eisenstadt

„Wenn du die eine liebst, sollst du keine andere heiraten“, diktierte Joseph Haydn im Alter seinem Freund und Biographen Georg August von Griesinger. Gemeint war Theresia Helene Keller, in die sich Haydn verliebte, die jedoch ins Kloster ging. So ehelichte er deren ältere Schwester Maria Anna Theresia, mit der er bekanntlich nicht sehr glücklich wurde. Haydn gab den beiden Töchtern des Perückenmachers Johann Peter Keller Klavierunterricht. In Haydns Leben spielten auch eine Reihe anderer Frauen eine wichtige Rolle. Ihnen ist im Haydnhaus eine Ausstellung gewidmet.

Theresia Keller vermachte ihrer Schwester Maria Anna, Haydns Frau,
ein gelbgestreiftes Kleid aus Atlasseide. DOBROWSKY

„Mein Weib war unfähig zum Kinder gebären und daher war ich auch gegen die Reize anderer Frauenzimmer weniger gleichgültig“, bekannte Haydn freimütig. Da war zunächst die in Neapel geborene Opernsängerin Luigia Polzelli, für die Haydn Arien komponierte. Haydn versprach ihr sogar die Ehe und kümmerte sich sehr um deren Sohn Antonio, sodass der Verdacht auftauchte, Antonio sei Haydns Sohn. Antonio komponierte auch einen Trauergesang für Haydns Begräbnis. Und seine Mutter erhielt von Haydn eine Rente.

Begabte Musikerinnen. Lebenslangen Kontakt zu Haydn hielt auch Marianna von Martines. Sie war die Tochter des päpstlichen Nuntius in Wien und Nachbarin im Michaelerhaus in Wien, wo Haydn 1751 in eine Dachkammer eingezogen war. Haydn gab Marianna Klavierunterricht. Die Ausstellung zeigt ein vierstimmiges „Miserere“ für Orgel von ihr. Zu Haydns Zeit gab es ausgezeichnete Musikerinnen, die in der Musikgeschichte bedauerlicherweise nur eine untergeordnete Stellung einnehmen.

Seelenfreundinnen. Therese Jansen-Bartolozzi wurde Haydns Freundin in London. Haydn war ihr Trauzeuge. Maria Anna von Genzinger war seine Seelenverwandte, mit der Haydn einen intensiven und intimen Briefverkehr pflegte. Sie war die Frau des Leibarztes von Fürst Nikolaus I. Esterházy und führte im Wiener Schottenhof einen musikalischen Salon, in dem viele Musikgrößen, darunter auch Mozart, verkehrten. Magdalena von Kurzböck wurde die Gefährtin der späten Jahre. Sie war eine ausgezeichnete Pianistin. Haydn widmete ihr ein Klaviertrio. Sie begleitete ihn bei seinem letzten öffentlichen Auftritt anlässlich der Aufführung der „Schöpfung“.

Maria Theresia. Die Ausstellung thematisiert auch zwei bedeutende Frauen der Hoch-
aristokratie: Kaiserin Maria Theresia und Fürstin Maria Josepha Hermenegilde Esterházy. Für sie komponierte Haydn sechs Messen, die an ihrem Namenstag in der Bergkirche in Eisenstadt aufgeführt wurden. Haydn schrieb 14 große Messen für die Familie Esterházy. Mehrmals weilte Kaiserin Maria Theresia in Esterháza. Von ihr stammt der legendäre Satz: „Wenn ich eine gute Oper hören will, fahre ich nach Esterháza.“ Haydns Antwort: „… und grüßt mir all die schönen Frauen …“

Haydn und die Frauen. Haydn-Haus Eisenstadt, bis 13. 11. 2016,
Mo–Sa 9-17, So/Ftg 10-17 Uhr, Eintritt 5,-

Freitag, 8. Juli 2016

Menschen Zeiten Dinge – Filmische Porträts von Angehörigen burgenländischer Volksgruppen im Landesmuseum

Menschen sprechen über Dinge und Werte und stellen ein Objekt, das für ihr Denken repräsentativ ist, vor. Und das in ihrem Dialekt bzw. in ihrer Muttersprache. Eine audiovisuelle Rauminstallation im Burgenländischen Landesmuseum porträtiert zwölf Menschen zum Jahresschwerpunkt des Burgenlandes, der kulturellen Vielfalt.

Menschen erzählen von Dingen, die ihnen etwas Besonderes bedeuten. TRABICHLER

Die Lebenswelt einer Gesellschaft besteht aus dem Zusammenspiel der Nutzung von Dingen und den damit verbundenen Handlungen der Menschen. Und Dinge, die Menschen herstellen, gebrauchen oder denen sie besondere Bedeutung zumessen, gibt und gab es in allen Kulturen und zu allen Zeiten. Diese Dinge sind mit zahlreichen Bedeutungen verknüpft. Doch nicht immer bedeuten Objekte für den einzelnen Menschen dasselbe, wie es im kollektiven Gedächtnis eines Museums wiedergegeben wird. Zwölf Angehörige von burgenländischen Volksgruppen und Migrantinnen und Migranten stellen in ihrer Muttersprache bzw. ihrem vertrauten Dialekt ein Objekt oder einen ideellen Gegenstand ihrer Wahl vor, der repräsentativ für ihre Denkweise steht.

Individuelle Gesinnungen. Die Ausstellung erörtert Begriffe wie Fremdsein, soziale Verantwortung, Gesellschaft, Nächstenliebe, Willkommenskultur, Humanität. Geschildert
wird eine persönliche Sicht von Gesellschaftsidealen, Zugehörigkeit und Identität. Die einzelnen Statements veranschaulichen eine bunte Vielfalt, die ein gemeinsames Bild ergibt. Der Kuratorin der Ausstellung, Jasmin Trabichler, geht es darum, das Museum nicht nur in seiner Funktion als Aufbewahrungsort und Forschungsstätte von kulturellen Gütern, historischen Schaffensperioden und Ereignissen zu zeigen, sondern auch als Repräsentationsort individueller Gesinnungen.

Buntes Mosaik der Vielfalt. Drei Frauen veranschaulichen, worum es im Jahr der kulturellen Vielfalt geht: Katharina Dowas von der Volksgruppe der Burgenländischen Ungarn, Manuela Horvath als Vertreterin der Burgenländischen Roma und Sonja Krutzler als Repräsentantin der Burgenländischen Kroaten tragen durch ihre Interviews zu einer besseren Sichtweise der verschiedenen Volksgruppen des Burgenlandes bei. Durch das friedliche Zusammenleben, die Pflege und Weitergabe von Sprache, Kultur, Traditionen und Brauchtum kommt es zu einem bunten Mosaik der Vielfalt in Europa, von dem alle profitieren können.

Lebenswelt einer Gesellschaft. Menschen und Dinge beeinflussen sich wechselseitig. Die Sphäre, in der Menschen und Dinge aufeinandertreffen, ist die Lebenswelt einer Gesellschaft. Die Ausstellung zeigt, wie die Menschen als Träger einer Kultur die gezeigten Dinge hervorbringen.

Menschen, Zeiten, Dinge. Eine Medieninstallation, Burgenländisches Landesmuseum Eisenstadt, Museumgasse 1-5, bis 13. November 2016, Mo-Fr 9-17, So/Ftg 10-17 Uhr, Eintritt 6,-

Freitag, 17. Juni 2016

Meditativer Aktivist – Drago J. Prelog zeigt im Offenen Haus Oberwart seine gemalte Biographie

Das Grundprinzip bei Drago Julius Prelog ist immer die Linie. Sie ist das essentielle Element seines künstlerischen Selbstverständnisses. Kaum ein anderer Künstler hat sie so durchdrungen und in mehreren Phasen neu für sein eigenes Schaffen definiert wie Prelog. Seine „Schriftbilder“ sind archaische Hieroglyphen der Gegenwart, die oftmals den mesopotamischen Keilschrift- oder biblischen Tontafeln gleichen und über ein großes erzählerisches Repertoire verfügen. Der Künstler vollzieht hier gewissermaßen die Geburt des Bildes aus den Linien der Schrift.

Drago Prelogs rhythmisierte, poesievolle Schriftbilder sind
Zeugnisse sensiblen Einfühlungsvermögens und spontanen Reagierens. ART-FACTS

„Ich bilde nicht ab, ich setze Zeichen“, sagt Prelog über seine Malweise. Anfang der 1980er-Jahre entwickelt er seine „Buchstaben-Bilder“. Rudimentäre Elemente der Umlaufspur, durch sich wiederholende Gesten der Hand oder des Körpers erzeugt, führen zu Zeichen, einer Winkelform etwa oder einem Halbkreis oder zu waagrecht liegenden Linienbündeln. Diese Formen ordnet Prelog jeweils einem Buchstaben zu, so dass sein „persönliches Alphabet“ entsteht. In seinen neuen Arbeiten erfolgt eine Verwandlung der Linie in zum Teil pure, sinnliche und farbintensive Malerei, bei der die Linie in überraschender Weise zum Strukturprinzip der Malfläche wird.

Lehraufträge an der Akademie. 1939 in der slowenischen Stadt Celje geboren, kommt Drago J. Prelog im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern nach Österreich und wächst in der Obersteiermark auf. Von 1954 bis 1958 besucht er die Kunstgewerbeschule in Graz, ehe er von 1958 bis 1962 bei Albert Paris Gütersloh an der Akademie der Bildenden Künste in Wien studiert. 1959 kommt es zu seiner ersten Ausstellung in Wien, ab 1960 gehört er dem Künstlerkreis um Monsignore Otto Mauer an. 1964 folgt ein Studienaufenthalt in der Schweiz, 1969 bis 1979 ein Lehrauftrag für Malerei, 1974 bis 1998 ein Lehrauftrag für Schrift und Schriftgestaltung an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Ab 1969 ist er Assistent von Josef Mikl, dem er bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden bleibt.

Prelografie. Ab 1977 entwickelt Prelog die sogenannten Umlaufbilder. Das Bildgeschehen wird als Spannungsträger zwischen zentraler Formation und Bildrand betrachtet. Wie ein Schamane umkreist Prelog das flach liegende Bild und zieht seine Linien entlang der Bildränder und Bildecken. 1986 entsteht die „Prelografie“, eine Schablonenrelief-Technik mit Acrylfarbe und Strukturmasse. 1999 erhält Prelog den Professortitel. Er stellt in Basel, Zürich, Antwerpen, Köln, Zagreb, Rijeka, Ljubljana, Vicenza, Wien, Salzburg, Graz, Linz, 1974 auch im „Haus der Begegnung“ in Eisenstadt aus. Prelog zählt zu den bekanntesten zeitgenössischen österreichischen Künstlern, er lebt heute in Wien.

Drago Prelog, Eine gemalte Biographie, OHO, 3. bis 30. Juni, Mo-Fr 9-14 Uhr und nach Vereinbarung unter 03352-38555.

Freitag, 10. Juni 2016

Nach der Natur – Naturnähe zeigt die Burgenländische Landesgalerie in der Reihe art[dialog]

Zwei burgenländische Künstlerinnen, Michaela Foltin und Franziska Schmalzl, und zwei Künstlerinnen aus Deutschland, Angela M. Flaig und Alexandra Deutsch, gehen der Frage nach, wie sie sich die Natur zunutze machen und welche Strategien sie der Natur entlehnen und in ihren künstlerischen Prozess einfließen lassen können. Eine spannende Spurensuche in der Burgenländischen Landesgalerie in Eisenstadt.

Franziska Schmalzl glamour gemüse. SCHMALZL
Alexandra Deutsch, 1968 in Karlsruhe geboren, erfindet ihren eigenen, poetischen Kosmos. Ihre Objekte erinnern an Vertrautes, an Pflanzen, Blüten, Meerestiere, Landschaften und Planeten und erscheinen doch fremdartig und geheimnisvoll, verwandelt durch eine organisch-abstrakte Formsprache. Von 1988 bis 1995 studiert sie Bildende Kunst an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. 1992 folgt ein Gaststudium an der Ecole des Beaux Arts Dijon, Frankreich.

Auch Angela M. Flaig, 1948 in Schramberg geboren, wählt ihre schlichten und filigran-formvollendeten Materialien aus der Natur. Ihre Objekte zeichnet dank der Zartheit der Rohstoffe eine Fragilität und Verletzlichkeit bei gleichzeitiger meditativer Kraft und lyrischer Schönheit aus. Von 1966 bis 1970 studiert sie in Rottweil Pädagogik und unterrichtet von 1970 bis 2011 an Grund- und Hauptschulen. Sie ist Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg und stellt seit 1977 im In- und Ausland aus. Heute lebt und arbeitet sie in Rottweil-Hausen.

Die 1984 geborene Wulkaprodersdorferin Michaela Foltin löst in ihren großformatigen Arbeiten in der Natur vorhandene Formen heraus und abstrahiert sie mit einer kräftigen, mutigen Malweise. 2011 nimmt sie an der „Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg“ teil. Künstlerische Ausbildung erhält sie bei Hubert Scheibl, dem Schweizer Künstler Hanspeter Hofmann, der Britin Charlotte Cullinan und dem deutschen Künstler Bernhard Martin. 2014 eröffnet sie in Wulkaprodersdorf ihre eigene Galerie „Kunstraum 40“.

Die 1970 in Mischendorf geborene Franziska Schmalzl studiert Philosophie, Psychologie und Kunsttherapie in Wien und arbeitet jahrelang in der Werbebranche. Ihre Arbeiten werden in der Schweiz, in Österreich, Deutschland, Luxemburg, Italien und den USA ausgestellt. Heute lebt und arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in Mischendorf und in Wien. Ihre farbenprächtigen Pflanzen, Insekten und Vögel entführen die Betrachter in ein Reich sprühender geheimnisvoller Phantasiewelten und lassen durch ihre verspielten Bildtitel humorvolle Geschichten entstehen.

art[dialog], Deutsch - Flaig - Foltin - Schmalzl, bis 19. Juni 2016, Landesgalerie Burgenland, Eisenstadt, Franz Schubert-Platz 6,
Mo-Sa 9-17, SO/Ftg 10-17 Uhr, Eintritt frei.

Freitag, 27. Mai 2016

Garten der Erinnerung – Die Künstlerin Dvora Barzilai gestaltet jüdische Gedenkstätte in Frauenkirchen

Bei Erdarbeiten stößt man 2014 durch Zufall auf Reste der ehemaligen barocken Synagoge von Frauenkirchen. Bald entsteht der Plan, an dieser Stelle eine Gedenkstätte zu errichten. Der Frauenkirchner Architekt Martin Promintzer und die Künstlerin Dvora Barzilai entwickeln dazu ein Konzept mit der Bezeichnung „Garten der Erinnerung“. Herzstück sind drei Skulpturen von Dvora Barzilai. Auf Bronzetafeln werden die Familiennamen der vertriebenen jüdischen Frauenkirchner verewigt.

Dvora Barzilai bei ihrer Arbeit an der Thora-Rolle für die Gedenkstätte in Frauenkirchen. BARTOLI

Unweit von Frauenkirchen, in einem Gräberfeld bei Halbturn, machen Archäologen im Jahr 2006 einen Sensationsfund: das bisher älteste Zeugnis jüdischen Lebens auf österreichischem Boden, ein mit einer jüdischen Gebetsformel beschriftetes Amulett aus dem 3. Jahrhundert. Dvora Barzilai scheint an das Amulett mit ihren reliefartigen Arbeiten anschließen zu wollen. Vor der Gebäudefront befindet sich eine gesetzte Wand, die stilistisch die ehemalige Tempelfront skizziert. Die abstrahierte Thorarolle aus Bronze zum Gedenken an die jüdische Gemeinde und den zerstörten Tempel ruht auf einem kubischen Steinsockel. Das dritte Element des Gedenkparks sind die Tafeln mit den Namen der vertriebenen jüdischen Familien, die metaphorisch auf einen Thoraschrein Bezug nehmen.

NS-Terror. Die durch einen Glaskubus geschützte Ausgrabungsstätte mit den Fragmenten der ehemaligen barocken Synagoge und den zerbrochenen Säulen weist auf die Zerstörung des Tempels hin. Der „Garten der Erinnerung“ will sowohl informieren und erinnern, als auch zum Gedenken und Verweilen anregen. Frauenkirchen war eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden im Burgenland. Als die Nationalsozialisten die Macht im Burgenland übernahmen, begannen die Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung. Auch in Frauenkirchen folgten Terror, Einschüchterung, Demütigungen und Diebstahl. Am 26. März verhaftete die Gestapo zehn der wohlhabenderen Familien, ungefähr 60 Personen, und trieb sie über die ungarische Grenze, wo sie tagelang im Niemandsland umherirrten.

Seit 25 Jahren in Wien. Dvora Barzilai wird 1961 in Tel Aviv geboren. Sie studiert Päda-
gogik, Malerei, Computer- und Druckgrafik sowie Bildhauerei in Tel Aviv und Bne Brak. Durch ihren Mann, dem 1957 in Jerusalem geborenen Oberkantor der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, Shmuel Barzilai, kommt sie mit ihren drei Kindern 1992 nach Wien, wo sie zunächst Gastdozentin an der Universität für angewandte Kunst wird. An der Universität Wien lernt sie bei Prof. Kurt Schubert die deutsche Sprache. Für die Universitäten in Wien und Innsbruck schafft sie Skulpturen. Sie stellt in Österreich, Israel, Bulgarien, Rumänien und Russland aus. Religion und jüdische Traditionen sind eine wesentliche Inspirationsquelle für ihre Arbeit, mit der sie den Menschen die jüdische Kultur näher bringen und Hemmschwellen abbauen möchte.

Freitag, 20. Mai 2016

Schwebezustände – Ensemble Gerersdorf begeht 40-Jahr-Jubiläum und 75 Jahre Gerhard Kisser

Das Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf begeht heuer sein 40-Jahr-Jubiläum. Dazu wird es eine Sonderausstellung mit dem Titel „Wie es begonnen hat“ geben. Das im Jahr 1976 von Gerhard Kisser gegründete Freilichtmuseum in der Gemeinde Gerersdorf-Sulz, das mittlerweile auf 32 Objekte – zumeist strohgedeckte alte Wohn- und Wirtschaftsgebäude – angewachsen ist, stellt jedes Jahr auch namhafte Künstler aus. Für heuer sind das die Maler Ulrich Gansert und Clemens Kindermann sowie der Bildhauer Oskar Höfinger.

Clemens Kindermann versucht, mit minimalen Mitteln eine Spannung zwischen Nähe und Distanz darzustellen. KINDERMANN

Clemens Kindermann hat einen engen Burgenland-Bezug. Seine Eltern haben ein Anwesen in Pamhagen erworben und zu einer künstlerischen Werkstatt umgebaut. Der Vater, Gustav Kindermann, war ein international gefragter Textil-Designer, zu dessen Kunden Liz Taylor, das schwedische Königshaus, arabische Harems, Schiffe und große internationale Hotels zählten und der Theater- und Opernhäuser ausstattete. Auch Carola Kindermann, die Mutter, ist eine renommierte Künstlerin. 1977 geboren studiert Clemens Kindermann Kunstgeschichte, Malerei und Philosophie und wendet sich bald der Malerei zu.

Abstraktion und Abbild. Er entwickelt einen eigenen Stil, den er selbst als Kombination von Gegenständlichkeit und Abstraktion bezeichnet. Mit minimalen Mitteln versucht er, eine Spannung zwischen Nähe und Distanz darzustellen. Aus entsprechender Entfernung lassen sich die Züge eines Porträts in erstaunlicher Präzision erkennen. Es ist eine Art Schwebezustand zwischen Abstraktion und Abbild. Kindermanns Technik enthüllt erst auf den zweiten Blick die gewohnte erzählerische Ebene seiner Bildwelten und Skulpturen und öffnet damit einen Zugang zu vieldeutiger Auseinandersetzung mit Skulptur als Material und dessen Deutungsmöglichkeiten.

Kreuzweg für Linzer Pfarre. Für die Pfarre St. Peter in Linz hat er eine Neudeutung des Kreuzweges geschaffen. Seine Arbeiten verdeutlichen Hilfsbereitschaft, aber auch persönliche Sorgen, in der gemeinsamen Eucharistiefeier mit der Gemeinde zu teilen. So bildet die 8. Station „Begegnung Jesu mit den weinenden Frauen“ aus umsichtig angeordneten, gefärbten Stoffbahnen einerseits die Trauerszene ab, bietet aber als kunstfertiges Lumpenbündel zugleich eine mehrdeutige Skulptur, die die konkrete Szene mit dem assoziativen Bildgedächtnis der Gegenwart verbindet.

Ausstellungen. Clemens Kindermann hat in der Galerie Ernst Hilger, im Erzbischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Wien, im Wiener Museumsquartier und im Künstlerhaus Wien sowie in der Burgenländischen Landesgalerie in Eisenstadt, im Schloss Halbturn, in der Sammlung Peter Infeld und im Tanzquartier Wien ausgestellt.
Clemens Kindermann, Zwischen Nähe und Distanz, Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf, bis 12. Juni, täglich 10-18 Uhr, Eintritt: 5,50

Freitag, 6. Mai 2016

Gärten als Begegnungsort – Dem Thema „Gärten“ widmet sich die Frühjahrsausstellung in der Galerie Infeld in Halbturn

Der Garten als Inspirationsquelle, Terrain für Naturforschung, Zufluchtsort und faszinierende Kulisse für Unterhaltung, der Garten als Ort der Begegnung zwischen Mensch und Natur. Die neue Ausstellung im Infeld Haus der Kultur widmet sich der Entfaltung gestalteter Natur in der Kunst. Die mehr als hundert gezeigten Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Drucke stammen aus der Sammlung Infeld und wurden seit Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart geschaffen.

Edo Murtic, „Mediteraner Garten“, Aquarell, 1997, INFELD

Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt bei Werken der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, und hier vor allem auf den märchenhaften Pflanzenkreationen von Wolfgang Hutter. Als besonders reizvoll erweist sich das Motiv des Gartens für Maler der Naiven Kunst. Die Variationen reichen von der überdimensionalen, sich auftürmenden Blumenpracht von Ivan Rabuzin bis zu realistischen, funktional dargestellten Obstgärten von Mara Puskaric-Petras. Beeindruckende Interpretationen zum Thema bieten auch die Outsider- und Art Brut Künstler. Zu sehen sind minimalistische, sparsam dargestellte Tulpen von Oswald Tschirtner, opulente Blumeninszenierungen von Fritz Opitz und pedantisch geordnete Blumen von Heinrich Riesenbauer.

Von Ringel bis Warhol. Die Beobachtung der Szenerie aus Pflanzen und Bäumen und dessen ständige Veränderung durch Licht, Wind, Sonne und Wolken inspirierten auch die Maler der Künstlergruppe „Wirklichkeiten“ wie Franz Ringel oder Robert Zeppel-Sperl, faszinierende Gartenbilder und florale Kompositionen zu kreieren. Schließlich ist auch die Pop Art mit Siebdrucken in mehreren Farbvariationen eines Vierblumenmotivs von Andy Warhol und der Farbexplosion eines öffentlichen Parks von James Rizzi vertreten.

Klassische Moderne. Vertreter der Klassischen Moderne wie Oskar Kokoschka und Josef Dobrowsky vervollständigen die Gartenschau auf Leinwand und Papier. Peter Infeld (1942-2009) und seine Mutter Margaretha Infeld (1904-1994) begannen Mitte der 1960er-Jahre Kunst zu sammeln. Als Schwerpunkte der Sammlung gelten die Wiener Schule des Phantastischen Realismus, naive Kunst aus Kroatien, Pop Art, buddhistische Meditationsbilder aus Tibet, sog. „Thangkas“ und Art Brut. Um die Werke einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ließ der Kunstmäzen Peter Infeld im burgenländischen Halbturn und im idyllischen Ort Dobrinj auf der kroatischen Insel Krk repräsentative Kulturzentren errichten. Insgesamt fanden bereits mehr als 100 Ausstellungen statt.
Gärten, Infeld Haus der Kultur, Halbturn, Parkstraße 13, geöffnet bis 29. Mai 2016, Do – So 13-18 Uhr, sowie an Feiertagen, Eintritt frei

Montag, 25. April 2016

Bildwechsel – Ausstellung der Caritas über Roma in Graz soll unter die Haut gehen

Roma sind zwar die größte Minderheit in Europa, in vielen Ländern leben sie aber vielfach in bedrückender Armut und sind mit Vorurteilen und sozialer Ausgrenzung konfrontiert. Oft wird auch in Österreich kein positives Bild über sie gezeichnet. Die Vorurteile sitzen bei vielen Menschen noch tief. Mit der Ausstellung „ROMA.Bildwechsel“ möchte die Caritas Steiermark dazu beitragen, bisherige Sichtweisen zu hinterfragen, um zu einer Änderung der Verhältnisse zu führen.

Wie werden Romnija im öffentlichen Raum wahrgenommen? SCHMID

Bilder von Menschen sind keine Zufallsprodukte. Sie entstehen aus dem, was die Darstellenden zeigen, aus dem, was Fotografen sehen und aus dem, was die Betrachtenden wahrnehmen. Dieselben Menschen können in unterschiedlichen Inszenierungen völlig anders aussehen und wirken. In der Ausstellung über die Roma wird genau dieser Blickwechsel vorgenommen. Es geht vor allem um den Versuch einer Abkehr von den vorherrschenden Vorurteilen. Die Ausstellung zeigt junge Frauen aus einem Roma-Projekt im Zentrum der slowakischen Stadt Banská Bystrica. Im Mittelpunkt steht dabei die selbstverständliche Nutzung des öffentlichen Raums durch jene Menschen, denen diese Präsenz häufig nicht oder nur ungern zugestanden wird.

Diskriminierung und Ausgrenzung. Die Arbeit ist im Herbst 2014 in der slowakischen Stadt Banská Bystrica gemeinsam mit dem Fotografen Michael Schmid und Romnija aus Detva, Banská Stiavnica und Ziar entstanden und wird nun anlässlich des Internationalen Tages der Roma, der am 8. April begangen wird, gezeigt. Sie erinnert auch an den ersten Internationalen Roma-Kongress 1971. An diesem Tag wird weltweit auf die Situation der Roma hingewiesen. Die Geschichte der Roma in Europa ist eine Geschichte der Armut, Diskriminierung und Ausgrenzung, die bis heute anhält. Die Caritas und Welthaus der Diözese Graz-Seckau unterstützen Bildungsprojekte für Roma, um den Zugang zu Schule und Ausbildung zu gewährleisten und die Armutsspirale zu durchbrechen.

Menschenwürde und Gerechtigkeit. Welthaus ist eine entwicklungspolitische Institution der katholischen Kirche in der Steiermark und wurde 1970 ins Leben gerufen. Die zentrale Aufgabe von Welthaus ist der Einsatz für Menschenwürde und Gerechtigkeit weltweit. In Entwicklungsländern unterstützt Welthaus mit Mitteln des steirischen Kirchenbeitrags vorwiegend Projekte, die die Armut in ländlichen Regionen verringern und die Menschenrechtssituation verbessern sollen. In vielen Ländern leben Roma unter elendsten Verhältnissen, in Abrisshäusern, in leer stehenden Häusern ohne Wasser und Strom, übernachten in Autos oder sind obdachlos auf der Straße. Sie werden zur Zielscheibe pauschaler Anschuldigungen und sind immer in Gefahr, vertrieben zu werden, obwohl sie EU-Bürger sind.

Roma.Bildwechsel – Fotokunstprojekt, Caritas Paulinum, Graz, Grabenstraße 39,
bis 28. April, werktags 8-16 Uhr.

Montag, 18. April 2016

Farbenuniversum: Dem ungarischen Künstler Károly Klímó widmet die Galerie Hametner in Stoob eine Schau

Die Frage des Seins in seiner Begrenztheit und seinen Möglichkeiten beschäftigt den ungarischen Maler Károly Klímó. Joseph Beuys, Arnulf Rainer und der amerikanische Objektkünstler Cy Twombly prägen ihn. Seine existentialistischen Anfangsarbeiten weichen bald beeindruckenden Collage-Arbeiten. Seine Themen findet er im aktuellen politischen Geschehen, der Umweltproblematik und der Philosophie. Seit 1990 lehrt er an der Ungarischen Akademie für Bildende Kunst in Budapest. Károly Klímó zählt heute zu den bekanntesten zeitgenössischen Künstlern Ungarns.

Károly Klímós künstlerischer Werdegang führt von der figuralen Darstellung
in die Abstraktion und zur Aneignung eines prachtvollen „Farbenuniversums“. PATAKI

In seinen frühen Jahren manifestiert sich in den Arbeiten von Károly Klímó eine philosophische Auseinandersetzung mit dem Existentialismus. Zunächst beginnt er, einzelne abstrakte Elemente in seine figuralen Motive aufzunehmen, um sie dann behutsam auf ihre Kernformen zurückzuführen und immer mehr zu reduzieren. Allmählich führt ihn sein künstlerischer Weg von der figuralen Darstellung in einem langsamen Prozess in die Abstraktion und zur Aneignung eines prachtvollen Farbenuniversums.
Materialität der Farbe. Die Freiheit hat für Károly Klímó sowohl in seinen Arbeiten als auch in seinem Denken einen wichtigen Platz, meint die Kulturpublizistin Verena Kienast. „Seine Themen findet Klímó im aktuellen politischen Geschehen, der Umweltproblematik und der Philosophie und übersetzt sie in seine höchst abstrakten Formen und die Materialität der Farbe, die er in Farbfeldern in ein neues Spannungsverhältnis bringt. Es ist eine Referenz an die Spannungen der Gesellschaft und des Seins“, so Kienast.
Staatspreis-Träger. 1936 in der südungarischen Stadt Békéscsaba geboren studiert Károly Klímó von 1956 bis 1962 an der Ungarischen Akademie für Bildende Künste in Budapest. Er nimmt an Gruppenausstellungen in Paris, Belgrad, Wien und Mailand teil. 1976 stellt er auch in Teheran und Neu Dehli aus. Einzelausstellungen in Nürnberg, Straßburg, New York, Wien, Zürich, Hamburg, München, Stuttgart und in den Niederlanden folgen. Im Jahr 1972 erhält er den renommierten Munkácsy-Preis. 1993 wird er Korrespondierendes Mitglied der Széchenyi Akademie der Künste. 1998 erhält er den Ungarischen Staatspreis. Seine Arbeiten sind in der Budapester National Galerie vertreten, im Museum für Zeitgenössische Kunst, im Szentendre Ferenczy-Museum, im Janus Pannonius Museum in Szombathely und in der Stadt-Galerie Györ, im Ausland in der Albertina in Wien sowie in öffentlichen Sammlungen in Mannheim, Kiel, in den USA, in Finnland und im Museum of Modern Art in Seoul.

Károly Klímó, Malerei, Galerie Hametner, Stoob, Kirchengasse 16, bis 30. April 2016, Sa/So 15-19 Uhr sowie gegen tel. Voranmeldung unter 0676 96 07 167, Eintritt frei.

Freitag, 11. März 2016

Magier der Farben – Rudolf Klaudus ist eine Personale in der Landesgalerie in Eisenstadt gewidmet

Rudolf Klaudus wird 1895 in der kroatischen Gemeinde Nebersdorf geboren. Nach dem 1. Weltkrieg studiert er an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und an der Kunstakademie in Zagreb. Zurück im Burgenland unterrichtet er zunächst in Deutschkreutz, bis er 1936 zum ersten Inspektor für das kroatische Schulwesen bestellt wird. 1956 gründet er die „Künstlergruppe Burgenland“, Anfang der 1970er-Jahre wird er auch zum Mitbegründer der „Rabnitztaler Malerwochen“. Klaudus ist eine der Galionsfiguren des intellektuellen Kroatentums im Burgenland.

Die abgebilde te Hügellandschaft, in pastosen Ölfarben kräftig aufgetragen, entsteht 1964. LANDESGALERIE 
In der Neuen Züricher Zeitung aus dem Jahr 1974 wird Rudolf Klaudus als „Emil Nolde des Burgenlandes, der seine Dörfer und Bauernhöfe, Gärten und Landschaften in prallen Farben auf die Leinwand bannt“, bezeichnet. Klaudus fühlte sich tief in seiner Heimat verwurzelt. Seine Bilder weisen einen großen Wirklichkeitsbezug auf. In einer nicht-abstrakten Gestaltung wird die Wirklichkeit transparent. Letztlich beherrschend ist das Spiel der Farben. Leuchtend und glühend kräftig. Die Farben des Rudolf Klaudus sind die Farben des Burgenlandes. In den Linolschnitten, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind, herrscht eine Disziplin des reinen Schwarz und Weiß. In der knappsten Formulierung bleiben Hauch und Schwingung gewahrt.

Kräftig in der Substanz. Eine schöne Charakterisierung Rudolf Klaudus‘ stammt von Alfred Schmeller, dem ehemaligen Direktor des früheren Museums des Zwanzigsten Jahrhunderts in Wien und vormaligen Landeskonservator des Burgenlandes. Schmeller schreibt über Rudolf Klaudus: „Er keltert in seinen Bildern die Farben der Landschaft, presst gleichsam den Saft aus ihr, kocht die Atmosphäre ein, zieht aus der Erde Kräfte und steigert burgenländische Gegend ins Subtropische: Sie wird farbenprächtig, fruchtbar wie die Flanke eines Vulkankegels, schillernd zwischen Blaufränkisch, Ackerbraun, Dschungelgrün und allen Nuancen des Herbstes. Die Bilder sind kleine Fässer besten burgenländischen Weins, kräftig in der Substanz, würzig und mit herrlicher Blume. Hier hat der Maler die scheinbar unscheinbare Landschaft des mittleren Burgenlandes entdeckt, ein paar Kilometer vom Geburtsort Franz Liszts entfernt“.

Berufs- und Malverbot durch NS-Regime. Bereits in den 1930er-Jahren ist Klaudus Mitglied des Eisenstädter und später des Burgenländischen Kunstvereins. Während der Nazizeit wird er aus dem Schuldienst entlassen. Es wird ihm auch jede Betätigung auf dem Gebiet der bildenden Kunst untersagt. Nach 1945 nimmt er seine Tätigkeit als Maler und Schulinspektor wieder auf. Die letzten beiden Lebensjahre verbringt er nach einer Erkrankung in einem Altenheim in Eisenstadt. Klaudus stirbt 1979 84jährig in Eisenstadt.

Rudolf Klaudus. Ein Magier der Farben, Burgenländische Landesgalerie, Eisenstadt, Schubertplatz 1, bis 10.4.2016, Di-Sa 9-17, So/Ftg 10-17 Uhr, Eintritt frei.

Freitag, 4. März 2016

Glaube Hoffnung Liebe – Fastentuch von Eva Petric im Wiener Stephansdom

Die katholische Kirche setzt ab Aschermittwoch eine Reihe künstlerischer Akzente, um die Botschaft der Fastenzeit zu verdeutlichen. In der Grazer Andräkirche verhüllt eine Arbeit von Joachim Hainzel den Altar, im Innsbrucker Dom kann man auf einem am Boden liegenden Kreuz aus dünnen Spiegeln den Himmel betreten. Das barocke Deckengemälde und die Fenster spiegeln sich darin. In der Krypta des Linzer Ursulinenklosters zeigen Klara Kohler und Franz Frauenlob eine Installation zum Thema Flucht und Vertreibung. Für den Wiener Stephansdom hat Eva Petric ein Fastentuch gestaltet.

Das Fastentuch von Eva Petric ist bis Karsamstag im Wiener Stephansdom zu sehen.
KATHBILD.AT / FRANZ JOSEF RUPPRECHT

Die Multimediakünstlerin Eva Petric ist spartenübergreifend in den Bereichen Fotografie, Installation und Video in Wien, Ljubljana und New York tätig. Ihre 11 mal 5 Meter große Installation mit dem Titel „Collective Heart“ ist eine Collage aus tausenden recycelten Häkeldecken, die die Künstlerin auf Flohmärkten der ganzen Welt erstanden oder als Spende erhalten hat. Jene, die die Aorta bilden, stammen aus dem slowenischen Ort Idrija, wo eine Frau bis zu ihrem 80. Lebensjahr den Lebensunterhalt der fünfköpfigen Familie durch den Verkauf ihrer Handarbeiten gesichert hat.

‚Eden‘ erreichen. Laut Eva Petric verbinden die Häkelarbeiten und Spitzen in tausenden Knoten Erinnerungen, Wünsche und Verbindungen, sie illustrieren die generationenübergreifenden Bindungen zwischen den Menschen. Petric: „Wir sind nicht nur das, was wir sehen; wir sind viele vorangegangene Generationen, Gefühle und Erinnerungen. Diese werden nicht nur von unseren Genen weitergegeben, sondern manifestieren sich auch in einem kollektiven Unterbewusstsein, in Träumen, Wünschen und der Prägung von Archetypen, alles in unserem Versuch ‚Eden‘ zu erreichen – den Zustand der Einheit von Glaube, Hoffnung und Liebe“.

Geistige Pilgerschaft. Intention des Fastentuches ist es, die Erneuerung des gemeinsamen Herzens und das Sich-eingebunden-Wissen in die geistliche Pilgerschaft der heiligen 40 Tage zu fördern und zum Ausdruck zu bringen. Die violett-rote Licht-
installation spiegelt sowohl die Farbe der Buße (violett) als auch die des Lebens, der Liebe und des Blutes (rot) wider, die Farben der gotischen Presbyteriums-Fenster werden ebenfalls auf das Tuch projiziert.

Polyglott. Eva Petric wird 1983 in Slowenien geboren. Ihre Kindheit verbringt sie in Äthiopien, Indien und den USA. 2002 studiert sie in New York Kunst, 2005 in Wien Psychologie und Bildende Kunst sowie Neue Medien in Berlin 2010. 2012 nimmt sie an den Biennalen in Venedig und in Peking teil. Sie stellt in Argentinien, Slowenien, Mazedonien, China, USA, auf den Philippinen, in Österreich, Italien, Frankreich, Spanien, Deutschland, Tschechien und Serbien aus.

Freitag, 19. Februar 2016

Bilder der Vielfalt – Jahr 2016 wird „Jahr der kulturellen Vielfalt“

Das Jahr 2016 steht im Burgenland im Zeichen der kulturellen Vielfalt. Bereits seit dem Jahr 2004 setzt die Kulturabteilung kulturpolitische Jahresschwerpunkte, zuletzt 2015 mit dem „Jahr der Volkskultur – Burgenland musiziert“. Das „Jahr der kulturellen Vielfalt 2016“ wurde offiziell unter die Schirmherrschaft der Österreichischen UNESCO-Kommission gestellt. Auftakt ist die Ausstellung „Bilder der Vielfalt. Die Volksgruppen in der bildenden Kunst“ im Projektraum der Burgenländischen Landesgalerie.

Sr. Elfriede Ettls kroatische Frauen sind das Logo der Ausstellung. KSB/WEISS

Ausgangspunkt für die erste Ausstellung im Rahmen dieses Schwerpunktjahres ist ein 2015 ausgeschriebener Kunstwettbewerb, den die Neufelder Künstlerin Elke Mischling gewonnen hat. Wir haben darüber in der letzten Nummer des martinus berichtet. Das Burgenland hat eine breite sprachliche Vielfalt, die sich nicht nur auf das Deutsche, Kroatische, Ungarische und Romanes reduzieren lässt. Eng damit verbunden ist die ethnische Vielfalt. Facettenreich sind Brauchtum und gelebte Volkskultur im Land. Darüber hinaus gibt es eine bunte künstlerisch-kreative Vielfalt.

Kroatin mit Zwiebel. Die Ausstellung im Projektraum zeigt neben einigen ausgewählten Beispielen der eingereichten Arbeiten zum Förderpreis, darunter Bilder von Julia Neckel, Wilhelm Rosenender, Heinz Bruckschwaiger, Jutta Brunsteiner, Martin Egger, Erich Novoszel, Heidi Rada, David Roth, Doris Schamp und Franziska Schmalzl, Werke früherer, bereits verstorbener Künstler, wie des Landschaftsmalers, Zeichners, Radierers und Kupferstechers Johann Christian Brand (1722 bis 1795). Von ihm stammt das älteste Bild in der Ausstellung. Es zeigt eine „Kroatin mit Zwiebel“ und stammt aus dem Jahr 1776.

Volksgruppen in der bildenden Kunst. Die rund 30 ausgewählten Bilder geben Einblick in den Bestand der burgenländischen Landesgalerie, der aus Platzgründen nicht dauerhaft gezeigt werden kann. Der Großteil der Arbeiten stammt aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert. „Klassiker“ der burgenländischen Malerei wie Hermann Serient, Franz Erntl, Sr. Elfriede Ettl und Eduard Sauerzopf ermöglichen einen Blick auf die jeweilige Sicht und den inhaltlichen Zugang und Wandel des Lebens der burgenländischen Volksgruppen.

Breites Programm. Zum „Jahr der kulturellen Vielfalt“ ist eine Reihe von Veranstaltungen geplant, von Ausstellungen, Wettbewerben, Festen, Konzerten und Projekten wie einem „Bibliothekenprojekt“ oder einem „Tag der kulinarischen Vielfalt“ in der Schuhmühle in Schattendorf bis hin zu wissenschaftlichen Symposien und Workshops, in denen auf Gegenwart und Zukunft der autochthonen Volksgruppen, Integration und Fremdenfeindlichkeit eingegangen werden soll.

Bilder der Vielfalt. Die Volksgruppen in der Bildenden Kunst, Projektraum, Vis-a-vis vom Schloss Esterházy, bis 28. Februar 2016, Di-Sa 9-17, So 10-17 Uhr, Eintritt frei.

Dienstag, 2. Februar 2016

Lebensraum Eisenstadt – Projekt des Fotokreises Eisenstadt im Rathaus Eisenstadt

Anlässlich des 90 Jahr-Jubiläums der Hauptstadt Eisenstadt entstand die Idee des Fotokreises Eisenstadt, bildende Künstler einzuladen, miteinander an einem Thema zu arbeiten. Sechs bildende Künstler aus dem Raum Eisenstadt fanden sich schließlich. Die Arbeiten, die in Teams gemeinsam mit 14 Fotografen vom „Fotokreis Eisenstadt“ entstanden sind, können seit Oktober vergangenen Jahres in der Rathausgalerie in Eisenstadt gesehen werden.

Andreas Wuketich, earth, wind & fire, Fotografik auf Plakatpapier. FOTOKREIS

Jeder der bildenden Künstler bildete mit zwei oder drei Fotografen eine Gruppe, um zu einem selbstgewählten Thema Arbeiten zu schaffen. Jede Gruppe hatte die freie Wahl, was bearbeitet, fotografiert, gemalt oder dargestellt werden sollte. Die Gruppe um Heimo Metz – Anton Burits, Helmut Schwarz und Günter Weber – beschäftigte sich mit dem Thema Natur und Farben. Unter Zuhilfenahme digitaler Bildverarbeitung entstand eine Collage, die schließlich übermalt wurde. Hannes Ramsauer widmete sich mit seinem Team den Silhouetten von Eisenstadt. Zusammen mit Hedda Pflagner und Sibylle Loidolt entstanden „haydnschlossisopappelkirchenkopfalleen“.

Raum und Raumerweiterung. Andreas Roseneder setzte sich mit Gerhard Bildstein, mit dem er schon mehrmals zusammenarbeitete, und mit Andreas Wuketich mit dem Thema Raum und Raumerweiterung auseinander. Über die bestehende architektonische Gegebenheit hinaus sollte eine virtuelle fünfte Dimension dargestellt werden. Die Gruppe um Pierre Schrammel befasste sich mit Lebensraum und Wirkungskreis der Stadt in einer konzeptionellen Betrachtung. Zusammen mit den Fotografen Fritz Moßburger, Alois Hausegger und Dieter Hauer spürte er historischen und modernen Wahrzeichen Eisenstadts nach. Auch Alltägliches und Unscheinbares, Momentaufnahmen und Begegnungen wurden thematisiert.

Geschenk an Eisenstadt. Hermi Schlags Gruppe – Johanna Schwarz und Franz Milkovits – stellte Überlegungen für ein Jubiläumsgeschenk an Eisenstadt an. Dabei hielten sie besondere Gebäude, Plätze und Sehenswürdigkeiten fest und versuchten auch, Bewohner und Besucher der Stadt einzubeziehen. Das Geschenk: ein Memory-Spiel mit den schönsten Motiven der Landeshauptstadt. Das Thema „Hände“ wählten die Malerin Traute Macom und die beiden Fotografen Hans Tschida und Wolfgang Granabetter. Sie wollten das Schaffen der vielen Hände über den Zeitraum von 90 Jahren in 90 Ansichten des heutigen Eisenstadt zum Ausdruck bringen. Eine originelle, vielseitige und bemerkenswerte Schau zum Ausklang des 90-jährigen Landeshauptstadtjubiläums, die noch bis Mitte Feber zu sehen ist.

Artfocus, Ein Projekt des Fotokreis Eisenstadt, Rathausgalerie Eisenstadt, bis Mitte Feber 2016, während der Öffnungszeiten des Rathauses, Eintritt frei.

Montag, 25. Januar 2016

Liebe, Tod und Einsamkeit – Edvard Munch (1863-1944) gilt als Inbegriff des an der Existenz leidenden Künstlers

Nur noch bis diesen Sonntag ist eine bemerkenswerte Ausstellung in der Wiener Albertina mit rund 100 Werken des norwegischen Malers Edvard Munch zum Thema „Liebe, Tod und Einsamkeit“ zu sehen. Seine Lithografien, Radierungen und Holzschnitte stellen den absoluten Höhepunkt der Druckgrafik des 20. Jahrhunderts dar. Einsamkeit, Liebe und Tod ziehen sich wie ein roter Faden durch Munchs Werk. Munch ist nicht nur ein Seismograf einer Zeit im Umbruch, viele seiner Arbeiten setzen sich mit religiösen Inhalten auseinander.

Edvard Munch, Golgotha, 1900. ALBERTINA

Der Direktor der Albertina, Klaus Albrecht Schröder, schwärmt in höchsten Tönen von seiner Ausstellung: „Es ist wahrscheinlich die schönste Druckgrafikausstellung, die es jemals gegeben hat.“ 100 ausgewählte Werke werden auf 1.000 Quadratmetern präsentiert. Die großzügige Anordnung lässt auch viel Platz für Munchs dichterisches Werk, das weit über das Dargestellte hinausgeht. Die letzte Munch-Ausstellung in der Albertina im Jahr 2003 hatte rekordverdächtige 260.000 Besucher angelockt.

Der Schrei. Zu seinem wohl berühmtesten Bild „Der Schrei“ notiert der Maler: „Ich ging die Straße hinunter, als die Sonne unterging. Und sich der Himmel plötzlich blutrot färbte. Ich blieb stehen, lehnte mich todmüde an das Geländer … und ich fühlte, dass ein unendlicher Schrei durch die Natur ging.“ Der Dichter August Strindberg, ein Freund Munchs, meint: Der Maler hörte den Schrei der Natur, „und des Entsetzens vor der Natur, die vor Zorn errötet und sich anschickt durch Sturm und Donner zu den törichten kleinen Wesen zu sprechen, die sich einbilden, Götter zu sein, ohne ihnen zu gleichen“. Den Schrei als akustische Äußerung zu malen, ist Munch unnachahmlich gelungen.

Gott ist in uns. Edvard Munch wird in eine streng religiöse evangelische Familie hineingeboren, er wird „notgetauft“, aus Angst, er könne sterben. „Krankheit, Wahnsinn und Tod hielten wie schwarze Engel Wache an meiner Wiege. Sie haben mich mein ganzes Leben begleitet“, schreibt er. Die Mutter stirbt früh an Tuberkulose, Munch ist gerade einmal fünf Jahre alt. Auch seine um ein Jahr ältere Schwester, mit der ihn eine innige Seelenverwandtschaft verbindet, stirbt neun Jahre danach ebenfalls an Tuberkulose. Sein eigenes Leben sieht Munch als etwas, „das nicht einmal den Anschein von Glück kennt, ja sich gar nicht nach Glück sehnt.“ Sein seelisches Erleben bleibt bis heute inspirierend. Er bekennt: „Gott ist in uns und wir leben innerhalb von Gott, einem ursprünglichen und originalen Licht von überall her.“ Seine Werke sind ein Hoffnungsschimmer, auch in den Bildern tiefster Verzweiflung.

Edvard Munch. Liebe, Tod und Einsamkeit. Albertina Wien, bis 24.1.2016, täglich 10-18 Uhr, Eintritt: 12,90

Freitag, 8. Januar 2016

Querdenkerin – Msgr. Otto Mauer Preis 2015 geht an die 36-jährige Kärntner Künstlerin Catrin Bolt

Der mit 11.000 Euro dotierte Msgr. Otto Mauer-Preis wurde heuer bereits zum 35. Mal vergeben. Prämiert wird das gesamte bisherige Werk einer Künstlerin oder eines Künstlers unter 40 Jahren. Die diesjährige Preisträgerin ist die in Kärnten geborene und derzeit in Wien lebende und arbeitende Künstlerin Catrin Bolt. Von der Jury wird Bolts ernsthaftes politisches Engagement hervorgehoben.

Catrin Bolt drapiert weggeworfenes Plastik, belichtet es mehrere Minuten
 und macht daraus „Plastik-landschaften“. CATRIN BOLT

Besonders haben die Jury die Arbeiten von Catrin Bolt vor dem Hintergrund der aktuellen weltweiten gesellschaftlichen Umbrüche überzeugt. Deutlich werde dies etwa am Beispiel des Mahnmals „Alltagsskulpturen“ aus dem Jahre 2014, in dem Bolt in großen Lettern Texte von Holocaustüberlebenden auf die Gehsteige jener Orte schrieb, an denen die Ereignisse stattfanden. Bolts Arbeiten seien durch die Gleichzeitigkeit von Geschichtsbewusstsein und gesellschaftlichem Engagement, konzeptuellem Kalkül und ästhetischem Anspruch gekennzeichnet, begründet die Jury ihre Entscheidung.

Verstörend und aufrüttelnd sind ihre Arbeiten. Aufsehen erregte das 760 Meter lange Textband in der Grazer Innenstadt im Oktober 2013, das die gewaltsamen Übergriffe in der Novemberpogrom-Nacht 1938 und den Weg, auf dem Rabbiner David Herzog durch die Stadt getrieben wurde, schildert. Ein anderer solcher besonderer Ort ist der Bahnsteig 5 des Wiener Westbahnhofs, der in den letzten Wochen zu einem der Kristallisationspunkte der Flüchtlingsthematik wurde. Zurzeit arbeitet Catrin Bolt an der Umsetzung von zwei Ehrenmälern für den Arkadenhof der Universität Wien. Bolt hat gemeinsam mit zwei anderen Künstlerinnen den anlässlich des 650-Jahre-Jubiläums der Universität ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen. Catrin Bolt wird 1979 in Völkermarkt geboren, studiert von 1997 bis 2003 bei Peter Kogler an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, erhält Stipendien für Paris, Budapest, Los Angeles und Rom und nimmt an verschiedenen Symposien und Workshops u.a. in Belgrad und Bari teil. Sie stellt in Warschau, Frankfurt, Kassel, Köln, Toronto, Vancouver, Venedig und London aus und lebt heute in Wien.

Otto Mauer-Fond fördert vielfältige Projekte. Der Otto Mauer Fond fördert darüber hinaus neben künstlerischen und filmischen auch wissenschaftliche und soziale Projeke, darunter heuer ein Projekt der youngCaritas, das sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung in die Modewelt zu inkludieren.

Catrin Bolt, JesuitenFoyer, Bäckerstraße 18, Wien; bis 24. 1. 2016, Mo, Di 16-19, So 12-13 Uhr sowie nach tel. Vereinb. unter 0699 11 441 567 (zwischen 21.12. u. 9.1. sowie an Ftg. geschlossen.) Eintritt frei.

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