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Kirche, Kunst und Kultur

© Diözese Eisenstadt

Freitag, 3. Juli 2015

Vom Mythos zur Marke - Das Landesmuseum lässt die antike Götterwelt auferstehen

Mars-Riegel, Computer-Trojaner, Nike-Sportschuhe, Merkur-Supermarkt, Penaten-Creme, Renault-Clio, Hermes-Paketdienst, Apollo-Optik, Diana mit Menthol – die antike Götterwelt ist auch im 21. Jahrhundert präsent. Was lässt die Antike mit ihren Göttern und Helden so beständig in unserer Gegenwart fortleben? Dieser Frage geht eine Ausstellung im Burgenländischen Landesmuseum nach.



Archäologische Artefakte treffen auf moderne Konsumartikel, die Göttin Ceres auf ihr Speisefett, der Gott Mars auf den Schokoriegel. Eine in Kooperation mit dem Oberösterreichischen Landesmuseum gestaltete Sonderausstellung begibt sich auf die Suche nach Markenartikeln der letzten hundert Jahre und begegnet dabei archäologischen Funden und Exponaten aus den letzten zweitausend Jahren. Relikte der griechisch-römischen Antike werden den Artefakten der heutigen Konsumwelt gegenübergestellt.

Von Ceres bis Mars. Es ist erstaunlich, wie viele Konsumgüter unserer Zeit an die alten antiken Götter erinnern. 18 Göttinnen und Götter und eben so viele Marken, die deren Namen tragen, werden in der Ausstellung vorgestellt. Bei Ceres, der Göttin der Fruchtbarkeit, der Ehe und des Ackerbaus, lässt sich noch eine Verbindung zum Speisefett herstellen, ebenso bei Merkur, dem Gott der Kaufleute. Was allerdings der Kriegsgott Mars mit Schokolade zu tun haben könnte, ist schon schwerer zu ergründen. Doch auch dieses Rätsel lässt sich lösen: Der Name hat nichts mit dem römischen Gott zu tun, sondern geht auf den Firmengründer Frank C. Mars zurück.

Markenreligion. Heute findet man die antiken Götter nicht mehr im Himmel, sondern auf den Projektionsflächen der Werbung. Sie sind Kultgegenstände einer Markenreligion und begegnen uns tagtäglich. Morgens reiben wir unseren Körper mit „Diana mit Menthol“ oder „Penaten-Creme“ ein, verwenden den Duft „Kouros“ von Yves Saint Laurent oder „Axe Apollo“. Wir ziehen ein Hemd von „Olymp“ an und schlüpfen in „Nike Sportschuhe“, kochen mit „Ceres Speisefett“ und marinieren den Salat mit „Hesperiden Essig“. Und wir fahren mit einem „VW Phaeton“ oder einem „Citroen DS 23 Pallas“. Werbung und Mythos scheint etwas Ewiggültiges inne zu wohnen. Und die Krise der klassischen Religion könnte dabei die Mythologisierung und Spiritualisierung der Werbung beflügeln.
Vielfach scheinen nicht mehr die Kirchen, sondern die Konsumtempel Orte moderner Religiosität zu sein.


Merkur, Mars & Co., Vom Mythos zur Marke, Burgenländisches Landesmuseum, bis 11. November, Mo-Sa 9-17, So/Ftg 10-17 Uhr, Eintritt: 5,50; Familien: € 12,-