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Kirche, Kunst und Kultur

© Diözese Eisenstadt

Freitag, 11. Dezember 2015

Kardinal-König-Kunstpreis 2015 geht an Julia Haller

Der Kardinal-König-Kunstpreis 2015 des gleichnamigen Fonds der Erzdiözese Salzburg geht in diesem Jahr an Julia Haller. Die Fachjury wählte sie aus insgesamt 22 Einreichungen aus. Ausschlaggebend für die Zuerkennung des Preises sei Hallers „kompromisslose Haltung in der heutigen malerischen Praxis“, wie die Jury feststellte. Die Künstlerin artikuliere „eine radikal neue Bildrhetorik jenseits von Erzählung oder Imagination. Sie malt, was man zu sehen vermeint“, heißt es in der Begründung der Jury. Der Kardinal-König-Kunstpreis wird seit 2005 alle zwei Jahre vergeben und ist mit 11.000 Euro dotiert.

Julia Haller, Ausstellungsansicht in der Secession Wien. SECESSION

Die künstlerischen Auseinandersetzungen sind heute von einer tiefen Skepsis gegenüber ökonomischen, medialen und soziokulturellen Systemen geprägt. Sie kritisieren überholte gesellschaftliche Übereinkünfte und untersuchen das Missverhältnis zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Eine besonders kompromisslose Haltung zeichnet das Werk von Julia Haller aus. „Ich versuche NICHT Bilder zu produzieren, die an mich erinnern. Wenn man das so sieht, sind auch die Bilder, die keinen Ursprung im Eigenen haben, Selbste“, sagt sie.

Selbste. Julia Hallers Arbeiten scheinen sich weder um Form noch um Inhalt zu kümmern. An der Grenze des Wahrnehmbaren bleibt oft nur der Rest von einem Bild, von einer Zeichnung: etwa eine eingravierte Linie auf einer dunklen Fläche, die erst bei genauer Betrachtung zum Vorschein kommt. Oder sie fräst eine dunkle linienhafte Struktur in helle Mineralstoffplatten und lotet so das Medium Zeichnung aus. Diese Konzentration auf ihre mediale Sprache „gehört zu den raren, vielleicht innovativsten Möglichkeiten einer heutigen Kunstproduktion“, fasst die Jury zusammen.

Ausstellung in der Secession. Die 1978 in Frankfurt am Main geborene Julia Haller studiert an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg, an der Hochschule für bildende Künste in Dresden und an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo sie textuelle Bildhauerei bei Heimo Zobernig belegt. Nach mehreren Einzelausstellungen in Deutschland, Österreich und Dänemark wird zurzeit ihre erste institutionelle Ausstellung in Österreich in der Secession in Wien gezeigt. Dafür hat Julia Haller eine neue Werkserie hergestellt, in der subtile Eingriffe die Wahrnehmung der Räume beeinflussen. Julia Haller lebt und arbeitet in Wien.

Präsentation aller eingereichten Arbeiten. Neben der Vergabe des Preises ermöglicht der Kardinal-König-Kunstfonds auch die Präsentation der eingereichten Arbeiten aller nominierten Künstlerinnen und Künstler (Jahrgang 1975 und jünger) in einer begleitenden Ausstellung, die bis 27. Jänner 2016 im Bildungshaus St. Virgil in Salzburg zu sehen ist.

Julia Haller, Secession Wien, Friedrichstraße 12, bis 31. Jänner 2016, Di-So 10-18 Uhr (25.12. geschlossen), Eintritt 9,-.

Freitag, 13. November 2015

Sinnlich intuitiv – Malerei und Objekte von Marina Horvath in der Galerie Oberberg in Eisenstadt

Vor beinahe zehn Jahren hat die ehemalige AUA-Angestellte den Sprung in die künstlerische Unabhängigkeit gewagt. Die Umstellung war groß, aber sie hat ihren Schritt bis heute nicht bereut. Marina Horvath, 1962 in Deutsch Jahrndorf geboren, lebt und arbeitet heute als freischaffende Künstlerin am Friedrichshof in Zurndorf. In der Galerie Oberberg der Wiener Städtischen Versicherung zeigt sie Bilder ohne Titel sowie Keramik-Objekte.

Marina Horvath möchte mit den Betrachtern ihrer Bilder einen Dialog führen und Widerhall auslösen. DOBROWSKY
Die Autodidaktin malt abstrakt, intuitiv und expressiv. Jedes Bild ist ein neues Experiment voll emotionaler Intensität, nahezu frei von figürlichen Elementen und mit ausdrucksstarken Farben. Ihre Arbeit beschreibt sie als einen Versuch, völlig absichtslos die Energie der eigenen Schöpfungskraft zuzulassen: „Das Malen passiert ganz intuitiv, einerseits auf eine spielerische Weise und andererseits in einem meditativen Prozess. Es ist ein Sich-Vergessen und Miterleben, wie auf der Leinwand Bilder entstehen, die spontan passieren. Erst danach bearbeite ich die aus Farbe und Gestik entstandenen Strukturen kritisch reflektierend.“

Bilder führen nach innen. Indem sie Überschüssiges wegnimmt, entwickelt sie eine reduzierte Darstellung von einer hohen emotionalen Intensität. Marina Horvaths emotional-intuitiver Zugang zu ihrer Arbeit ist ein wesentlicher Aspekt, den der Schweizer Psychologe Marc Pfander so beschreibt: „Marina Horvath malt keine Bilder – sie lässt sie entstehen. Dass dabei optisch überaus schöne Werke gelingen, mag auf den ersten Blick erstaunen – der wahre Schatz liegt in der Tiefe, jenseits des Sichtbaren: in der Resonanz, welche die Werke in uns auslösen. Ihre Bilder führen uns nach innen, in die Stille, die leer und voll zugleich ist, und laden uns zum Sein ein.“

Linien und Farben setzt Marina Horvath erzählerisch und lebhaft ein. Es sind Reflexionen, Stimmungen und Empfindungen, in denen sie ihr Gefühlsleben preisgibt. Seismographisch notiert sie mit Pinsel und Stift die Tektonik ihrer inneren Befindlichkeit, einmal zart und leicht, dann wieder intensiv und leidenschaftlich. Wie aus dem Nichts taucht eine lange zarte schwarze Linie am Bildrand auf und findet, eingebettet in eine Fläche weißer Dispersionsfarbe, ihren Weg in die Bildmitte, verdichtet sich dort zu einer maschenförmigen Schlaufe und zerrinnt schließlich am ausgesparten Bildgrund.
Marina Horvath – Dialog, Galerie am Oberberg, Eisenstadt, Kalvarienbergplatz 7, bis 20. 11. 2015, Mo-Fr von 8-16 Uhr, Eintritt frei.

Freitag, 6. November 2015

Struktur und Zwischenraum – Moderne Scherenschnitte im Projektraum der Burgenländischen Landesgalerie

Wer meint, dass Scherenschnitte eine überholte, biedere Technik vergangener Zeiten sei, sollte sich die aktuelle Ausstellung im Projektraum der Burgenländischen Landesgalerie anschauen. Sechs junge Künstlerinnen und Künstler aus Österreich und Deutschland und „Altmeisterin“ Liane Presich-Petuelli – unglaubliche 90 Jahre alt geworden (wir haben darüber berichtet) – präsentieren Papierobjekte und -installationen sowie klassische Scherenschnitte.

Liane Presich-Petuelli, Irrlicht, aus dem Zyklus Winterreise von Franz Schubert, 1997. M. WEESE

Künstlern dient Papier nicht nur als Grundlage für Entwürfe und Zeichnungen, sondern auch für die große Bandbreite an Druckgrafiken und Collagen bis hin zu Installationen. Für die 1981 in Karlsruhe geborene und heute in Melbourne arbeitende Katharina Meister ist Papier das Bindeglied für ihre dreidimensionalen Arbeiten aus Fundstücken wie verwitterte Holzbretter und andere skulpturale Elemente, die sie zu Bildräumen formt.

Fragile Zeichengerüste komponiert die 1974 in Wien geborene Birgit Knoechl. In ihren Arbeiten paaren sich pflanzliche und kristalline Formen zu modularen graphischen Gebilden. In ihren Experimenten befasst sie sich mit Themen wie der Interaktion von Linie und Schatten, natürlichen Wachstumsprozessen, monumentalen Skulpturen und bio-mimetischer Architektur. Der Berliner Stefan Saffer möchte Menschen erreichen, die mit Kunst nichts am Hut haben, in deren Köpfen sich etwas öffnen soll. Ihn interessieren in erster Linie ästhetische Farb-raumgestaltungen.

Dunkles und Verlorenes. Silvia Schreiber, 1956 in Mainz geboren, arbeitet in München. Ihre Figuren wirken auf den ersten Blick wie schwere Tonskulpturen. Bei genauerer Betrachtung entpuppen sie sich jedoch federleicht und aus Papier. Skizzenhaft und mit großzügigem Duktus modelliert nehmen sie ständig neue Positionen ein. Der 1966 in Osnabrück geborene Tilmann Zahn hat an der Musikhochschule in Freiburg in Breisgau studiert und ist Solo-Oboist im Sinfonieorchester Basel. Ihn faszinieren Güterbahnhöfe, Industrieanlagen, Ladeplätze für Lastautos, Orte, denen der Schmutz der Reisen und der Schweiß der harten Arbeit anhaften. Er experimentiert mit Farben und Malgründen und begibt sich auf die Suche nach einem adäquaten Ausdruck für Dunkles und Verlorenes.

Kugel und Kreis. Reinhard Wöllmer, 1957 in Nürnberg geboren, ist die Entwicklung des Plastisch-Räumlichen wichtig. Er arbeitet mit der lebendigen, sich in Nuancen ändernden Farbwirkung durch Licht und Schatten. Wöllmer trägt die Farben nicht auf, sondern stellt eine Papiermasse her, der er Pigmente beimischt, sie auswalzt und presst und zu Farbobjekten wandelt. Dabei konzentriert er sich auf die formalen Aspekte von Kugel und Kreis.

schere.schnitt.papier, Liane Presich-Petuelli & Gäste, Projektraum der Burgenländischen Landesgalerie, bis 15. November 2015, Di-Sa, 9-17, So/Ftg 10-17 Uhr.

Freitag, 23. Oktober 2015

Mit leisen Worten – Neues Buch zum 80. Geburstag von Hans Krenn erschienen

„Mit leisen Worten, verinnerlicht und sparsam im Ausdruck, beeindruckend tief“, charakterisierte die Schriftstellerin Klara Köttner-Benigni den burgenländischen Mundartautor Hans Krenn. Seine Gedichte erschienen in Anthologien und Literaturzeitschriften, er las im ORF und publizierte mehrere Gedichtbände. Nun ist zu seinem 80. Geburtstag ein Prosa- und Lyrikband erschienen.

„Umi za dir“ ist in der „edition lex liszt 12“erschienen und im St. Martinsverlag der Diözese
sowie im Buchhandel um 18 Euro erhältlich. (Hans Kenn)
Hans Krenn wurde 1935 in Donnerskirchen als zweites Kind einer Landarbeiterfamilie geboren. Von 1947 bis 1955 besuchte er das Gymnasium St. Rupert in Bischofshofen, anschließend bis 1957 die Philosophisch Theologische Lehranstalt St. Gabriel bei Mödling. Ab 1958 war er Beamter in Eisenstadt. Hans Krenn ist seit seiner Jugend bildnerisch und literarisch tätig. Seit 1976 schreibt er fast ausschließlich in Mundart.

Mundart-Werke. Zunächst schreibt Hans Krenn in der so genannten Hochsprache, erst ab 1976 wendet er sich der burgenländischen Mundart zu. 1980 erscheint der Gedichtband „Haond afs Herz“, 1987 „Gspiast wos davon“, 2012 „Va Joah(r) za Joahr(r)“. 1985 bringt der ORF Texte zur Passion sowie eine szenische Bearbeitung der Geschichte von Donnerskirchen unter dem Titel „Von der Stierkopfurne zum Kulturstierstall“. 2003 erscheint ein Kreuzweg in Mundart, der auch auf der Homepage der Diözese mit Bildern von Hans Krenn nachzulesen ist.

Teilnehmer bei IMAGO. Hans Krenn ist auch bildnerisch tätig. Mehrmals nimmt er an den internationalen Ausstellungen zeitgenössischer christlicher Kunst IMAGO teil, 2001 in Sevilla, wo er das Plakat gestaltet, 2002 in Split, 2003 in Palermo, 2004 in Monte Carlo, 2005 in Regensburg, 2006 in Prag, 2007 in Loreto in Italien und schließlich 2008 in Wien. Im Jahr 2000 entsteht sein Bildzyklus für die Aufbahrungshalle in Donnerskirchen. Seinen neun Bildern gibt er den Titel „Mit Kreuz und Leid zur Herrlichkeit“. 1985 erhält der den Ehrenring seiner Heimatgemeinde Donnerskirchen, 1987 den Landeskulturpreis für Literatur und Publizistik. 2005 wird er Ehrenbürger der Marktgemeinde Donnerskirchen.

Reflexionen des Lebens. Seine oft in mühevollem und wochenlangem Ringen entstehenden Bilder nennt er selbst „Reflexionen meines Lebens“, in denen er persönliche Erlebnisse und Erfahrungen verarbeitet. Oft fließen religiöse Motive in die Acryl- und Grafitarbeiten ein.
Hans Krenns Kreuzwegstationen finden sich auch auf der diözesanen Homepage …

Freitag, 16. Oktober 2015

Jagd, Wein und Musik – Sonderausstellung von Eduard Sauerzopf im Café Maskaron im Schloss Eisenstadt

Das geschmackvolle Café Maskaron im Eisenstädter Schloss Esterházy ist ein Geheimtipp. Der Name Maskaron bezieht sich auf die barocken Groteskmasken an den Fassaden des Schlosses. Früher wurde in den gewölbten Räumen Wein gelagert. Das Design stammt vom Eisenstädter Architekten Klaus-Jürgen Bauer, die Wandgestaltung vom Wiener Künstler Peter Baldinger. Anlässlich der Langen Nacht der Museen ist hier die Sonderschau „Jagd, Musik und Weinbau“ mit Werken des burgenländischen Künstlers Eduard Sauerzopf bis Ende Oktober zu sehen.

Die Zeichnung „Fürst Nikolaus I. Esterházy“ ist im Nachlass von Eduard Sauerzopf aufgetaucht.
C. DOBROVSKY
Zwei Arbeiten von Eduard Sauerzopf sind seit 2011 in der Ausstellung „Haydn Explosiv. Musik aus revolutionären Zeiten“ ausgestellt. Sie zeigen Fürst Nikolaus I. Esterházy und Joseph Haydn. Im Nachlass des Künstlers wurde nun eine zweite Darstellung von Fürst Nikolaus I. Esterházy gefunden, die gemeinsam mit weiteren Werken Teil einer großzügigen Schenkung an die Esterházy Privatstiftung ist. Auch die Graphische Sammlung Albertina erhielt vor kurzem 52 Sauerzopf-Zeichnungen von der Familie des Künstlers.

Virtuose des Bleistifts. Der Theaterkritiker und ehemalige Ressortleiter für Zeitgeschichte der angesehenen Wiener Wochenzeitung „Die Furche“ Hellmut Butterweg bezeichnete Eduard Sauerzopf anlässlich einer Ausstellung im Museum des 20. Jahrhunderts in Wien im Jahr 1977 als „Virtuose des Bleistifts, dessen Landschaftsstudien Resultate eines konsequent vorangetriebenen, eines bei stenographischen Kürzeln angelangten Verknappungsprozesses“ seien. Sauerzopf verstehe es, so Butterweg weiter, „mit wenigen Strichen, mit einigen Krakeln nicht nur Atmosphäre zu erzeugen, sondern auch das Einmalige, das Physiognomische einer Landschaft einzufangen.“

Chronist der Künstlerkolonie Neumarkt. Eduard Sauerzopf wird 1930 in Stegersbach geboren. Nach der Matura an der Lehrerbildungsanstalt in Wien-Strebersdorf unterrichtet er im Raum Stegersbach, Güssing und Jennersdorf. Ab 1968 engagiert er sich im Kulturverein Neumarkt an der Raab, kommt mit den Schriftstellern Peter Handke, H.C. Artmann, Gerhard Rühm, Wolfgang Bauer, Dietmar Grieser, Gerhard Roth und Hellmut Andics und zahlreichen bildenden Künstlern und Musikern in Kontakt und wird zum Chronisten der dortigen Künstlerkolonie. Sauerzopf stirbt 2011 in Jennersdorf. Seine von Dynamik und stakkatoartiger Formenrhythmik geprägten Blätter bleiben.

Jagd, Musik und Weinbau, Zeichnungen von Eduard Sauerzopf, Café Maskaron/Sala Terrena im Schloss Esterházy in Eisenstadt, 4. bis 31. Oktober 2015, täglich 10-17 Uhr, Eintritt: 7,-

Freitag, 2. Oktober 2015

Sinnliche Verdichtung - Eine Schau zum 80. Geburtstag von Erwin Moravitz in der Cselleymühle in Oslip

Erwin Moravitz wird gerne als Farblyriker bezeichnet. In seinen Motiven finden sich Nächtlichkeit, Schwere, Traum, Schmerz, Liebe, Morgen- und Abendlicht in einer poetisch-sinnlichen und sinnbildlich-symbolischen Verdichtung. In dieser einzigartigen Bedeutungsintensivierung findet eine ständige Überschreitung der Grenze zwischen Realität und Imagination statt, durchmischt und durchdrungen von märchenhaften Elementen der Mythisierung.

Die Bilder von Erwin Moravitz strahlen eine beseelte Ruhe aus. MORAVITZ
Die Bilder von Erwin Moravitz erwecken den Eindruck einer traumhaft verzauberten Phantasiewelt. Die atmosphärisch-emotionale Gestimmtheit seiner Arbeiten hat einen sehnsuchtsvollen Grundton mit einer offensichtlichen Vorliebe für Symbol, Chiffre und Hieroglyphe. Die Bilder bestechen vor allem durch ihre Unmittelbarkeit von Fragment und Skizze und ihre geistig-seelische Präposition für die Erfahrung des Wunderbaren. Dabei strahlen sie eine phantastische Innerlichkeit, ja geradezu eine Zärtlichkeit aus. Es sind Bilder auf der Suche nach sinnlich-ekstatischer Erweckung und spirituellen Erfüllung, voll poetischer Verschlüsselungsmechanismen, mit quasi-narrativen Zusammenhängen synästhetisch zur Chiffre inszeniert.

Gesuchter Designer und Grafiker. Erwin Moravitz wird 1935 als Sohn burgenländischer Eltern in Wien geboren und wächst in Bad Tatzmannsdorf auf. In Wien studiert er Design, Grafik und Malerei und wird bald ein gesuchter Gebrauchsgrafiker und Designer. Er erhält zahlreiche öffentliche Aufträge vor allem im Burgenland, gestaltet Ausstellungen im Burgenländischen Landesmuseum in Eisenstadt, im Liszt-Museum in Raiding, auf Schloss Halbturn, der Burg Güssing und in Stadtschlaining, entwirft Plakate, Medaillen, Wappen und Urkunden und illustriert Schulbücher und andere Publikationen.

Lyriker der Farben. Über die Arbeiten Erwin Moravitzs meint die Kunstkritik: „Seine Bilder geben der Stille Stimme und atmen den Dingen Seele ein.“ Ein anderer Rezensent drückt es so aus: „Erwin Moravitz ist ein Lyriker der Farben.“ Moravitz beteiligt sich an Ausstellungen in Österreich, Bayreuth, Frankfurt, Bamberg, Bad Homburg, Bratislava, Szombathely, Mechelen, Bozen, Borgo Valsugana und Istanbul. Erwin Moravitz gehört seit 1998 zur „Rabnitztaler Malerrunde“.

Erwin Moravitz, Mensch und Landschaft, Ölbilder zum 80. Geburtstag, Cselleymühle Oslip, 26.September bis 18. Oktober 2015, Fr/Sa ab 17.30, So ab 14 Uhr, Eintritt frei.

Freitag, 25. September 2015

Meditative Kraft – Der Künstlerfamilie Prantl widmet die Landesgalerie in Eisenstadt eine Ausstellung

Der Stein ist für Karl Prantl elementar. Wer Prantls Steine berührt, seine Hände über sie gleiten lässt, verspürt eine meditative Kraft. Karl Prantl zählt zu den wesentlichsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Die Bilder seiner Frau Uta Peyrer-Prantl erzählen von einer kosmischen Weite und Unendlichkeit. Tochter Katharina Prantls Arbeiten zeichnen sich durch transzendente Anklänge aus. Und Sebastian Prantl versucht als Tänzer Partituren und Zeichen Qualität und Inhalt zu verleihen. Choreografie ist für ihn ein „Destillat von Leben“.

Karl Prantl in seinem Skulpturengarten in Pöttsching. H.RIPPER

Als Initiator des Europäischen Bildhauersymposions in St. Margarethen prägte Karl Prantl das Verständnis für Skulptur und Bildhauerei national und international. Er nannte seine Steine Meditationssteine. Glatt polierte Oberflächen harmonieren mit unbehandelt rauen Strukturen. Die Oberflächen sind kugelig, wellenförmig, durchbrochen, mit geometrischen Vertiefungen, Rillen, Mulden oder skelettartig überzogen. Einschlüsse, Strukturen, Ablagerungen, Phasen des Drucks werden durch seine Bearbeitung sichtbar gemacht und hervorgehoben.

Uta Peyrer-Prantl operiert mit punktförmigen Kreisen, Spiralen, Linien, die sich kreuzen, verdichten oder auseinandertriften. Sie setzt sich mit den Grundfragen der Malerei auseinander: mit Farbe, Fläche, Tiefe, Raum und konzentriert sich auf die Beziehung des Individuums zum Kosmos. Heiter und gleichzeitig tiefernst erzählt sie von der Unendlichkeit des Universums. Ihr Stil der kontemplativen und meditativen Malerei beeinflusste auch ihre Tochter Katharina Prantl.

Katharina Prantls Arbeiten zeichnen sich durch Transparenz vieler übereinanderliegender Farbschichten aus. Sie hält visuelle Erfahrungen und Assoziationen in lyrisch-abstrakten Formen und Farben fest. Oft spielt sie mit den weißen Flächen der Leinwand, skizziert mit wenigen kraftvollen Pinselstrichen Momentaufnahmen oder entfernt zurückliegende Erinnerungen. Die zum Teil sehr großformatigen Gemälde sind Tagebücher voller Erinnerungen an Orte und emotionale und atmosphärische Zustände.

Sebastian Prantl und Cecilia Li-Prantl. Die künstlerische Familiengeschichte wird durch ein Video des Choreographen und Tänzers Sebastian Prantl und seiner Frau, der Pianistin Cecilia Li-Prantl, mit dem Video „Prelude WALK IN“, einer Hommage an Claude Debussy, komplettiert. Cecilia Li-Prantl spielt darauf die 12 Preludes des 2. Heftes von Claude Debussy. Beide sind künstlerische Leiter des Tanz Atelier Wien.

Prantl – Eine Künstlerfamilie, Burgenländische Landesgalerie Eisenstadt, 25.9. bis 20.12.2015, Di-Sa 9-17, So/Ftg 10-17 Uhr, Eintritt frei.

Freitag, 11. September 2015

Dichte und Auflösung - Josefa Trimmel-Tscharmann und Isabella Trimmel im Berliner Kühlhaus

Josefa Trimmel-Tscharmann aus Schattendorf und die seit 1994 in Berlin lebende, gebürtige Schattendorferin Isabella Trimmel zeigen zusammen mit dem Berliner Fotokünstler und Komponisten Nirto Karsten Fischer im Kühlhaus Berlin Skulpturen, Photographien, Gemälde und Objekte. Die Präsentation ihre Arbeiten erfolgt im Rahmen der 4. Berlin Art Week, einer der wichtigsten deutschen Kunstmessen, an der Künstler aus der ganzen Welt teilnehmen und Hunderte von Galerien neue künstlerische Positionen vorstellen.

Isabella Trimmels Bilder strahlen eine meditative Ruhe aus. ARTBOX

Das Kühlhaus Berlin am Knotenpunkt der Bezirke Tiergarten, Schöneberg und Kreuzberg, unweit des Potsdamer und Anhalter Bahnhofs, ist ein historisches Gebäude, das durch die Initiative von Künstlern, Architekten und Berliner Unternehmern vor dem Abriss gerettet werden konnte und heute auf sieben Etagen und 5.000 Quadratmetern Platz für Ausstellungen, Konzerte und Veranstaltungen bietet.

Videoarbeiten. Isabella Trimmel wird in Eisenstadt geboren. Seit 1998 ist sie als bildende Künstlerin tätig. Sie stellt in Berlin, Brescia, Potsdam, Frankfurt am Main und Los Angeles aus und nimmt an Künstlersymposien teil. 2002 eröffnet sie ihr Atelier Moogreen in Berlin. Seit 2009 beschäftigt sie sich verstärkt mit Photographie und Videoarbeiten, wo sie eine spezielle Bildästhetik entwickelt. Die gefilmten Bilder werden durch computergenerierte Räume erweitert. In dem von ihr entwickelten Konzept einer Raumerweiterung mittels photographischer Techniken sieht Isabella Trimmel eine philosophische Auseinandersetzung um die Einzigartigkeit und Anpassung durch den psychosozialen Druck.

Suggestive Formen. Geht es bei Isabella Trimmel um Enge und Weite, um Dichte und Auflösung, Gleichförmigkeit oder Einzigartigkeit sowie das Erkennen, dass alles nebeneinander gleichzeitig existiert, liegt das Schwergewicht der Arbeiten von Josefa Trimmel-Tscharmann auf Linien-, Knäuel- und Farbspuren, auf suggestiven Formen und Andeutungen. Josefa Trimmel-Tscharmann hat ein Jahr an der Akademie der bildenden Künste Aktzeichnen belegt und an der Modeschule Michelbeuern eine Ausbildung gemacht. Während verschiedener Aufenthalte in England und in der Schweiz hat sie Gelegenheit, alte Meister und zeitgenössische Kunst zu studieren. Kurse bei Ferry Zotter in Neumarkt an der Raab und bei den Sommerakademien in Salzburg lassen sie verstärkt abstrakt malen.

Isabella Trimmel und Josefa Trimmel-Tscharmann, „Transitions“ – eine interdisziplinäre Werkschau im Kühlhaus Berlin, Luckenwalderstraße 3, 17. bis 20. 9. 2015, täglich 11-19.30 Uhr.

Freitag, 4. September 2015

Archaische Moderne - Architektonisch herausragende Bauwerke im Burgenland im Architektur Raumburgenland

Abseits der bäuerlichen Bauten und gewachsenen Dorftexturen haben bedeutende österreichische Architekten im Burgenland ihre Spuren hinterlassen. Es handelt sich um verstreute Architekturimporte unterschiedlicher Typologie und Nutzung, die bis heute weit über das Land hinaus einflussreich geblieben und zwischen 1960 und 2010 entstanden sind. Eine Ausstellung im „Architektur Raumburgenland“ in Eisenstadt begibt sich auf die Spurensuche nach diesen Gebäuden. Dazu ist auch ein Buch erschienen.

Architekt Friedrich Kurrent hat in Sommerein für seine Frau, die Bildhauerin Maria Biljan-Bilger,
eine Kunsthalle erbaut. (Foto: Dobrowsky)

Der Verein „Architektur Raumburgenland“ hat seinen Standort in der Eisenstädter Pfarrgasse, wo es auch eine kleine Architekturgalerie gibt. Der Verein existiert bereits seit über 20 Jahren. In dem Eisenstädter Bürgerhaus stehen zwei Räume für Ausstellungen, Informationsabende und Gespräche zur Verfügung. Die Galerie heißt „Contemporary“, also zeitgenössisch. Der Schwerpunkt liegt auf Ausstellungen über Architektur.

Elf Bauten im Burgenland 1960–2010. Die aktuelle Ausstellung zeigt Beispiele der letzten 50 Jahre. Ausstellung und ein dazu erschienenes Buch erzählen die spezifische Architekturgeschichte einer „archaischen Moderne“. Der Fotograf Nikolaus Korab dokumentiert den gegenwärtigen Zustand der Bauten und stellt ihre Einbettung in Landschaft und Kulturraum zu allen Jahreszeiten dar. Die Ausstellung zeigt die ausgewählten Beispiele mit je zwei Aufnahmen. Gebäudebiografien des Architekturpublizisten Otto Kapfinger und viele erstmals veröffentlichte Archivmaterialien ergänzen die bildliche Dokumentation im Buch. Christian Reder beschreibt die magische Anziehungskraft des Landes am ehemaligen Eisernen Vorhang und schildert die Hintergründe dieses Phänomens.

Anonyme Baukultur – Roland Rainer. Vor einem halben Jahrhundert war Roland Rainer noch von der anonymen Baukultur des Landes fasziniert und veröffentlichte das Buch „Anonymes Bauen Nordburgenland“. Heute ist es ein Standardwerk. Seither wird über Ortsbildpflege, Gebäudesanierung und alte Dorfstrukturen breit diskutiert – auch wenn noch immer wirtschaftliche Überlegungen gegen architektonische ausgespielt werden. Viele der Fotografien, die Rainers Buch Atmosphäre verleihen, sind leider Zeugnis einer verlorenen Baukultur geworden. Heute stellt sich die Frage nach dem Erhalt und Wert dieses architektonischen Schatzes – vor der Gefahr neuerlichen Verlustes und als Anregung für die zeitgenössische Architektur.

Archaische Moderne – Elf Bauten im Burgenland. 1960 – 2010, Architektur Raumburgenland, Pfarrgasse 16/1, Eisenstadt, bis 30.09.2015, Eintritt frei.

Freitag, 7. August 2015

Abwesender Bruder – Sonderausstellung im Haydnhaus zu Haydns Freimaurer-Mitgliedschaft

Joseph Haydn wird 1785 Mitglied der Wiener Freimaurer-Loge „Zur wahren Eintracht“. Bei seiner Aufnahmezeremonie hält sein Logenbruder Joseph Holzmeister eine Festrede, in der er sich stark mit der Harmonie in Haydns Musik auseinandersetzt. Nach seiner Aufnahme besucht Haydn jedoch seine Loge nie wieder und wird deshalb als „abwesender Bruder“ geführt.

Joseph Haydn wurde als „abwesender Bruder“ in seiner Freimaurerloge geführt, weil er sie nie besuchte. SCHLOSSMANAGEMENT

In der Ausstellung wird das Freimaurertum allgemein thematisiert, das die einzelnen Mitglieder zu einer religionsübergreifenden Offenheit und Brüderlichkeit erziehen soll. Symbole der Freimaurerei, wie Bibel, Himmels- und Erd-Globus, Glocke, Hammer, Maurerkelle, Mond, Senkblei, Sonne, rauer und behauener Stein, Winkel und Zirkel dominieren den Raum und werden gemeinsam mit den Ritualen der Logen dargestellt. Dokumente wie Haydns Aufnahmeansuchen in den Bund der Freimaurer, der Beschluss zur Aufnahme Haydns, die Befreiung von den Mitgliedsgebühren und die Rede Joseph Holzmeisters dokumentieren seine Mitgliedschaft.

Freimaurer-Musik. Ein eigener Raum ist Haydns Freimaurer-Musik und der Verwendung der Musik bei den verschiedenen maurerischen Aktivitäten gewidmet. Diese Darstellung wird vor allem in einer Vitrine durch speziell für diese Gelegenheiten komponierte Musikstücke veranschaulicht. Die Zahl 3 und der Konsonant B sind in der freimaurerischen Symbolik von großer Bedeutung. Man findet diese Symbolik, die auf den Tonarten mit den 3 b-Vorzeichen – Es-Dur und C-Moll – beruht, bei Mozart und auch bei Haydn, etwa im 4. Satz der „Sieben Worte“, wo das verzweiflungsschwarze C-Moll am Beginn – auf den Weg der Hoffnung – Es-Dur – zur Vollendung in C-Dur gebracht wird.

Von Mozart bis Louis Armstrong. Schließlich werden Komponisten und Musiker, die ebenfalls Freimaurer waren, vorgestellt. Besonders Mozart mit seinen vielen Freimaurerkompositionen: Die Zauberflöte, Die Gesellenreise, Die Maurerfreude. Neben Mozart findet man Werke von Joseph Abbé Gelinek, Joseph Panny, Fridolin Wagner und Paul Wranitzky bis hin zu Musikern des 20. Jahrhunderts wie Louis Armstrong.

Freimaurer und katholische Kirche. Das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und den Freimaurern ist heute entspannter. Kardinal Franz König hat im Auftrag von Papst Johannes XXIII. wesentlich zur Normalisierung der Beziehungen beigetragen. Allerdings wird vielfach die Meinung vertreten, dass die gleichzeitige Mitgliedschaft in Kirche und Loge nicht möglich ist.

Haydn und die Freimaurer – Musik | Symbole | Ritual, Haydnhaus Eisenstadt, bis 11. November 2015, Mo-Sa 9-17, So/Ftg 10-17 Uhr, Eintritt: 4,50 (Kombikarte mit Landesmuseum: 8,50)



Freitag, 17. Juli 2015

Neue Lebenslust - Eine atemberaubende Zeitreise durch drei Jahrzehnte auf Schloss Halbturn

Die diesjährige Ausstellung im Schloss Halbturn widmet sich der Zeit zwischen 1900 und 1930 und gibt einen Einblick in diese spannende Periode zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese drei Jahrzehnte leiteten eine Epoche mit immer rasanter werdenden Veränderungen in Gesellschaft, Kunst und Alltagskultur ein.

Der einzige aus der österreichischen Automobilfabrik Celeritas original erhaltene Rennwagen, Baujahr 1901. TECHNISCHES MUSEUM WIEN

Die Ausstellung legt den Schwerpunkt auf die Darstellung der großen Neuheiten dieser Zeit in Gesellschaft, Medizin, Technik, Sport, Mode, Kunstgewerbe, Architektur und Design. Die Änderungen betreffen alle gesellschaftlichen Schichten und bestimmen bis heute unseren Alltag. Es sind viele österreichische Erfindungen im technischen Bereich, wie die Schiffsschraube, die Radioröhre, das erste Motorflugzeug, die ersten Elektroautos oder auch das erste Hybridauto. Kennzeichnend für die Gesellschaft dieser Zeit ist vor allem eine neue Art von Lebenslust.

Tabakindustrie. Dabei hatte auch das Rauchen einen wesentlichen Stellenwert. So war die österreichische Tabakindustrie in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen eine der wichtigen Einnahmequellen der Republik Österreich und schuf für 27.000 Menschen Arbeitsplätze. Einzigartige Objekte aus dem Tabakmuseum wie etwa ein „Rauchertisch“ zeigen diesen großen Stellenwert. Das neue Verständnis von Architektur und Ornamentik wird durch diverse Möbelstücke, Fotografien, Keramik und besondere Objekte in Jugendstil und Art déco illustriert. Zu bewundern sind ebenfalls Glasobjekte aus dem Österreich-Pavillon der Weltausstellung 1900 in Paris.

Automobile und Grammophon. Von der beginnenden „Beschleunigung“ im 20. Jahrhundert erzählen Originale und Modelle von Flugzeugen, Zeppeline oder Eisenbahnen. Zu sehen ist der einzige aus der österreichischen Automobilfabrik Celeritas original erhaltene Rennwagen, Baujahr 1901. Die Erfindung des Grammophons führte zu neuem Erleben von Musik, war sie bis dahin doch nur „live“ zu erleben. Ebenfalls in dieser Zeit entwickelten sich Fotografie und Film zu wichtigen Bestandteilen des täglichen Lebens. Man kann in einem Nachbau eines Filmstudios Platz nehmen. Originale Kleidungsstücke, Accessoires und kostbarer Jugendstil- und Modeschmuck, der seine erste große Blüte erlebte, zeugen von den emanzipatorischen Veränderungen und industrieller Produktion.

1900 bis 1930 – Eine atemlose Zeit.Schloss Halbturn bis 26. Oktober 2015, Di-So/Ftg 10-18 Uhr, Eintritt: 8,-

Freitag, 3. Juli 2015

Vom Mythos zur Marke - Das Landesmuseum lässt die antike Götterwelt auferstehen

Mars-Riegel, Computer-Trojaner, Nike-Sportschuhe, Merkur-Supermarkt, Penaten-Creme, Renault-Clio, Hermes-Paketdienst, Apollo-Optik, Diana mit Menthol – die antike Götterwelt ist auch im 21. Jahrhundert präsent. Was lässt die Antike mit ihren Göttern und Helden so beständig in unserer Gegenwart fortleben? Dieser Frage geht eine Ausstellung im Burgenländischen Landesmuseum nach.



Archäologische Artefakte treffen auf moderne Konsumartikel, die Göttin Ceres auf ihr Speisefett, der Gott Mars auf den Schokoriegel. Eine in Kooperation mit dem Oberösterreichischen Landesmuseum gestaltete Sonderausstellung begibt sich auf die Suche nach Markenartikeln der letzten hundert Jahre und begegnet dabei archäologischen Funden und Exponaten aus den letzten zweitausend Jahren. Relikte der griechisch-römischen Antike werden den Artefakten der heutigen Konsumwelt gegenübergestellt.

Von Ceres bis Mars. Es ist erstaunlich, wie viele Konsumgüter unserer Zeit an die alten antiken Götter erinnern. 18 Göttinnen und Götter und eben so viele Marken, die deren Namen tragen, werden in der Ausstellung vorgestellt. Bei Ceres, der Göttin der Fruchtbarkeit, der Ehe und des Ackerbaus, lässt sich noch eine Verbindung zum Speisefett herstellen, ebenso bei Merkur, dem Gott der Kaufleute. Was allerdings der Kriegsgott Mars mit Schokolade zu tun haben könnte, ist schon schwerer zu ergründen. Doch auch dieses Rätsel lässt sich lösen: Der Name hat nichts mit dem römischen Gott zu tun, sondern geht auf den Firmengründer Frank C. Mars zurück.

Markenreligion. Heute findet man die antiken Götter nicht mehr im Himmel, sondern auf den Projektionsflächen der Werbung. Sie sind Kultgegenstände einer Markenreligion und begegnen uns tagtäglich. Morgens reiben wir unseren Körper mit „Diana mit Menthol“ oder „Penaten-Creme“ ein, verwenden den Duft „Kouros“ von Yves Saint Laurent oder „Axe Apollo“. Wir ziehen ein Hemd von „Olymp“ an und schlüpfen in „Nike Sportschuhe“, kochen mit „Ceres Speisefett“ und marinieren den Salat mit „Hesperiden Essig“. Und wir fahren mit einem „VW Phaeton“ oder einem „Citroen DS 23 Pallas“. Werbung und Mythos scheint etwas Ewiggültiges inne zu wohnen. Und die Krise der klassischen Religion könnte dabei die Mythologisierung und Spiritualisierung der Werbung beflügeln.
Vielfach scheinen nicht mehr die Kirchen, sondern die Konsumtempel Orte moderner Religiosität zu sein.


Merkur, Mars & Co., Vom Mythos zur Marke, Burgenländisches Landesmuseum, bis 11. November, Mo-Sa 9-17, So/Ftg 10-17 Uhr, Eintritt: 5,50; Familien: € 12,-

Freitag, 26. Juni 2015

Dann kamen die Busse…

Burgenländische Euthanasie-Opfer im Österreichisch-Jüdischen Museum Eisenstadt
Im Zuge der Arbeiten an der Datenbank der Opfer des Nationalsozialismus im Burgenland stellte sich heraus, dass es auch viele Opfer der NS-Euthanasie gab. Daraus entstand die Idee, diesen Opfern ein Gedenken im Rahmen einer Ausstellung zu widmen. In österreichischen und deutschen Archiven ist man auf über 350 dokumentierte burgenländische Opfer der NS-Euthanasie gestoßen.

Die Galerie der „KulturFormenHartheim“ stellt regelmäßig Bilder beeinträchtigter Menschen aus. Alexander Dvorak, Die Zeit.  (C. Dobrowsky)

Die Ausstellung „NS-Euthanasie im Burgenland“ versucht, die Opfer aus der Anonymität einer abstrakten Zahl herauszuheben. Der Wahnsinn „NS-Euthanasie“ betraf nicht nur anonyme Opfer irgendwo im Deutschen Reich an einem fernen Ort, sondern geschah direkt neben unserer Haustür, in unseren Gemeinden, an Menschen, die unseren Eltern und Großeltern persönlich bekannt waren. Unter den NS-Euthanasieopfern, die im Schloss Hartheim ermordet wurden, waren etwa 800 Juden, darunter 19 aus dem Burgenland.

Das Mordschloss. Das ehemalige Pflegeheim Schloss Hartheim wird zu einer Mordanstalt des Dritten Reichs für sogenanntes „unwertes Leben“. Der Tötungswahn der Euthanasiefanatiker in Hartheim ging so weit, dass mit Mauthausen ein Konkurrenzkampf in Sachen Massenmord geführt wurde. Zwischen 1940 und 1944 wurden rund 30.000 Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung sowie psychisch kranke Menschen im Schloss Hartheim ermordet.

„Unwertes Leben“. Zu Todesursache, Todestag und Todesort wurden gezielt falsche Angaben gemacht, um die Angehörigen auf eine falsche Spur zu führen und Nachforschungen zu erschweren. Als Todesursache gab man dabei gerne „Lungentuberkulose“ an, da es sich um eine ansteckende Krankheit handelte, die bedingte, den Leichnam sofort zu verbrennen. Die Ermordung behinderter Menschen als „unwertes Leben“ im Nationalsozialismus zählt zu den dunkelsten Kapiteln dieses Terrorregimes. Die Ausstellung rekonstruiert das Grauen im Mordschloss anhand persönlicher Schicksale von Opfern, Tätern, Augenzeugen und Widerstandskämpfern.

Ausstellung von Bildern beeinträchtigter Menschen. Heute befinden sich im Schloss Hartheim eine Gedenkstätte und ein sogenannter „Lernort“. Die Ausstellung in Eisenstadt wird mit 78 Bildern von Menschen mit besonderen Bedürfnissen ergänzt, die in Kooperation mit dem Kultur Forum Hartheim gezeigt werden. Die Galerie der „KulturFormenHartheim“ gestaltet in regelmäßigen Zyklen Ausstellungen von Arbeiten beeinträchtigter Menschen.

„Und dann kamen die grauen Busse …“, Schwerpunktausstellung über die NS-Euthanasieanstalt Schloss Hartheim, Österr.-Jüdisches Museum Eisenstadt, Unterbergstr. 6, 21. Juni bis 25. Oktober 2015, Di-So 10-17 Uhr, Eintritt: 3,- (Museum 5,-)

Freitag, 5. Juni 2015

Monochrome Emotion

Josef Danner widmet die Burgenländische Landesgalerie eine Schau

Josef Danner vereint verschiedene stilistische Strömungen der Kunst, von der informellen Malerei bis hin zur dadaistischen Collage. Seit 2011 entstehen Arbeiten, in denen er informelle Leinwände abschleift und mit Siebdrucken überlegt. Die Kombination von verbalen und visuellen Elementen, das Aneinanderreihen und Verschränken des ikonischen Motivs sind signifikante Merkmale seiner neueren Arbeiten, wobei ironische Aspekte und das Spiel mit Ikonographie Ausdruck einer subtilen humoristischen Gesellschaftskritik sind.

Das erste monochrome Werk stieß auf Ablehnung, weil man meinte, dass eine einzelne Farbe für die Malerei nicht ausreiche. Es sollte damit die Empfänglichkeit für das Sehen und Fühlen geweckt werden. DANNER

2001 beginnt Danner, stark emotional besetzte Bilder aus der medialen Welt zu sammeln, sie zu scannen und mit diversen Computerprogrammen so zu abstrahieren, dass sie eine gleichsam archetypische Verdichtung erreichen. Bilder und Texte aus den Massenmedien erhalten auf diese Weise neue und unerwartete Bedeutungen. Durch eine intensive Beschäftigung mit den gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Phänomenen und Fragestellungen werden Danners Werke zu ausdrucksstarken Reflexionen des Zeitgeschehens.

Raiffeisenzentrale Eisenstadt. 2013 gewinnt Josef Danner den Wettbewerb für den von den Architekten Pichler und Traupmann errichteten Neubau der Raiffeisenzentrale in Eisenstadt. Danner gestaltet die Glasfront des Foyers mit Piktogrammen, Textzeilen und Vornamen, die im Zusammenspiel mit Beschattung und wechselnden Lichtsituationen ein lebendiges Wechselspiel von innen und außen, Licht und Schatten ergeben.

Monochrome Arbeiten. In der Ausstellung in der Landesgalerie zeigt Danner die Serien „Schwarze Bilder“ und „Blaue Bilder“. Dabei lässt er figurative Elemente in die Bilder einfließen und erweitert seine monochromen Arbeiten um konturhafte, grafische Elemente, indem er mit Montagen und Collagen alltägliche Bildmotive und Texte auf die Malereien überträgt. Josef Danner wird 1955 in Amstetten geboren und studiert Germanistik, Geschichte und Philosophie in Wien. In den 1980er-Jahren spielt er in mehreren Musikgruppen und produziert CDs und Langspielplatten. Studienaufenthalte führen ihn nach Paris und Island. Arbeiten von ihm befinden sich im Museum für moderne Kunst in Wien, in der Neuen Galerie Graz, im Lentos Linz, Stift Admont, der Generali Foundation sowie im Landesmuseum St. Pölten. Danner lebt und arbeitet in Niederösterreich, Wien und im Burgenland.

Josef Danner, monochromEmotion, Burgenländische Landesgalerie, 20. März - 28. Juni 2015, Di - Sa 9-17, So/Ftg 10-17 Uhr, Eintritt frei.

Freitag, 24. April 2015

Im Buch der Seele blättern

Eisenstädter Rathaus-Galerie präsentiert Arbeiten von Heidi Tschank

Seit der Entfernung des Brunnens von Rudolf Kedl vor dem Joseph Haydn-Konservatorium in Eisenstadt steht an dieser Stelle eine Skulptur der Bildhauerin Heidi Tschank mit dem Titel „Klingender Dialog“. Die Künstlerin möchte damit eine Verbindung zwischen der Musik Joseph Haydns und der Natur im benachbarten Schlosspark herstellen. Nun sind Arbeiten von ihr in der Rathaus-Galerie zu sehen.

Die zwei Meter hohe Skulptur „Lebenswege“ aus Sölker Marmor schuf Heidi Tschank 2004 KATALOG

„Meine Arbeit ist eine Philosophie vom Ursprung allen Lebens über die Endlichkeit bis zum Absoluten, so als könnte man in einem Buch der Seele blättern“, charakterisiert Heidi Tschank ihr künstlerisches Schaffen. Heidi Tschank entführt uns in phantasievolle Exkursionen. In ihren Skulpturen entstehen Komplexe, die das Ausufernde, Ungezügelte, Direkte zum Ausdruck bringen, und wenn es gelingt, daraus eine Form, einen Zusammenhalt, eine in sich stimmende Bewegung zu gewinnen, enthält der fertige Stein die Schönheit des Anarchischen.

Auseinandersetzung mit menschlicher Figur. Meistens geht es Heidi Tschank um eine Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur, wobei ihr die ästhetische Komponente wichtig ist. Sie wird hervorgelockt durch die Beobachtung dessen, was der Stein bewirkt, wenn er Assoziationen frei werden lässt, die Heidi Tschank in der Natur vorfindet. Ihre formalästhetisch subtilen Skulpturen atmen die Stärke des Geistigen. Licht spielt eine wichtige Rolle, das Wesentliche wird bewusst sparsam herausgearbeitet. Die bevorzugten Materialien von Heidi Tschank sind Stein und Holz. Im Rathaus in Eisenstadt zeigt sie aber auch Arbeiten in Öl und Druckgrafik.

Rege Ausstellungstätigkeit. Heidi Tschank wird in Wien geboren und studiert von 1983 bis 1997 in der Meisterklasse für Bildhauerei bei Wander Bertoni an der Universität für angewandte Kunst in Wien, bei Sigbert Schenk Lithographie, Druckgrafik und Alugraphie sowie von 1997 bis 1998 Buchbinderei und Restauration bei Thomas Hansen und von 2004 bis 2010 Philosophie und Kunstgeschichte. Heidi Tschank stellt in Wien, Salzburg, Graz, Linz, Budapest, Szombathely, Körmend, Prag, Bratislava, Maribor, Paris, Olmütz, Basel, Winterthur, Berlin und New York aus. 13 Jahre, von 2000 bis 2013, leitet sie Seminare und internationale Symposien in Irdning, Loretto, Purbach und im Stift Geras. 1997 erhält sie den Förderpreis des Bundeskanzleramtes Wien und 2000 den Förderpreis der Niederösterreichischen und Burgenländischen Landesregierung. Heidi Tschank lebt und arbeitet in Wien und in Stotzing im Burgenland.

Heidi Tschank, Der blaue Planet, Rathaus Galerie Eisenstadt, bis 15. Mai, Mo-Do 8-16, Fr 8-13 Uhr, Eintritt frei.

Donnerstag, 16. April 2015

Im Verborgenen

Roma und Sinti in Österreich im Wien Museum
Die vor zwei Jahren verstorbene Lovara-Romni Ceija Stojka veröffentlichte 1988 ihr Buch mit dem Titel „Wir leben im Verborgenen“. Sie schildert darin ihre Kindheit in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Bergen-Belsen. Von ihrer Großfamilie, die etwa 200 Personen umfasste, überlebten nur sechs Angehörige. Eine Ausstellung im Wien Museum gibt Einblicke in die Lebenssituation von Roma und Sinti in Österreich. Phasen der Zwangsassimilierung wechselten mit solchen der Ausgrenzung. Beleuchtet werden auch die seit dem 18. Jahrhundert bestehenden Siedlungen im Burgenland.

Ceija Stojka verarbeitet in ihren Bildern ihre Kindheitserinnerungen: die Verhaftung einer Roma-Wohnwagen-Siedlung durch die SS. STOJKA DR

Geschätzte 90 Prozent der österreichischen Roma wurden in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten ermordet. Die wenigen Überlebenden standen nach 1945 vor dem Nichts und wurden systematisch benachteiligt. Etliche zogen nach Wien, auch in der Hoffnung, nicht als Roma erkannt zu werden. Der überwiegende Teil der heute in Österreich lebenden Roma und Sinti kam im Zuge von Arbeitsmigration aus Ost- und Südosteuropa, aus Serbien, Bosnien und dem Kosovo, später auch aus Rumänien, Bulgarien und der Slowakei.

Stereotypen und Feindbilder. Jahrhundertelang waren Roma und Sinti Thema von Darstellungen, die ausschließlich von Nicht-Roma erzeugt wurden. Es gibt kaum historische Selbstzeugnisse. Meist sind es Abbilder und Interpretationen von als anders wahrgenommenen Fremden. Auf diese Weise wurden über Jahrhunderte Stereotypen und Feindbilder festgeschrieben, die letztlich der Legitimation von Ausgrenzung und rassistischer Verfolgung dienten und dienen. Romane Thana zeigt Orte und Plätze, an denen Roma und Sinti gelebt haben.

40.000 bis 80.000 Roma und Sinti. Heute sind die meisten im Wiener Raum und im Burgenland angesiedelt. Jedoch leben viele im Verborgenen. Dadurch schwanken die Zahlen der in Österreich lebenden Roma und Sinti zwischen 40.000 und 80.000, sagt Andrea Härle, Geschäftsführerin des Roma-Vereins Romano Centro. Bilder von bestehenden Siedlungen der Burgenland-Roma geben Einblicke in ihre Lebenssituation. Zu sehen sind Videointerviews, private Fotoalben, Kupferstiche und gemalte Bilder von Angehörigen der Volksgruppe. Auch das Attentat von Oberwart wird in der Ausstellung beleuchtet. Sie wurde in Zusammenarbeit mit dem Verein Romano Centro, der Initiative Minderheiten und dem Landesmuseum Burgenland gestaltet.

Romane Thana. Orte der Roma und Sinti, Wien Museum, Karlsplatz, 12.2.-17.5.2015, Di-So 10-18 Uhr (1.Mai geschlossen)

Mittwoch, 11. Februar 2015

Kunst-Förderpreise 2014

Architektur – ihre Reflexion in der bildenden Kunst im Projektraum der Landesgalerie

Im Rahmen einer Ausstellung zum Thema „Architektur – ihre Reflexion in der bildenden Kunst“ im Projektraum der Burgenländischen Landesgalerie werden auch die beiden Preisträger des Förderpreises der Burgenländischen Landesregierung für bildende Kunst 2014, Doris Dittrich und Manfred Leier, präsentiert. 

Fery Zotter, Dorf im Burgenland, 1955 LANDESGALERIE

Die Ausstellung widmet sich der Auseinandersetzung mit Zeugnissen der Baukunst in der burgenländischen Kunstszene. Dazu gehören unter anderem Arbeiten von Alfred Pahr, Franz Erntl, Josef Dobrowsky, Rudolf Richly und Rudolf Ballabene ebenso wie von Walter Pichler, Klaus Basset, Martha Jungwirth, Hermann Serient, Viktor Lederer und Ferry Zotter. Zu sehen sind Grafiken, Malereien und Objekte aus mehreren Jahrzehnten. Den Anfang machen zwei Motive von Ödenburg und Eisenstadt der Maler Johann Christian Leopold (1699-1755) und Carolus Krausz (1636-1695). Johann Christian Leopold lebte in Augsburg und war Kupfer- und Notenstecher. Das Bild zeigt eine Ansicht von Ödenburg aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Von Köpp bis Sauer. Eine „Landschaft mit antiken Säulen“ stammt vom 1738 in Eisenstadt geborenen Wolfgang Köpp von Felsenthal. Der Maulbertsch-Schüler hat zusammen mit seinem Vater das Deckengemälde in der Eisenstädter Bergkirche geschaffen. Das Diözesanmuseum wird ihm und weiteren alten Meistern heuer eine Ausstellung widmen. Die Ausstellung im Projektraum spannt den Bogen bis zur Wander Bertoniund Maria Bilger-Schülerin Ursula Dyczek und Birgit Sauer. Von Letzterer ist ein beeindruckendes Mischtechnik-Werk auf Aluminium zu sehen.

Preisträger Leirer und Dittrich. Im Rahmen der Ausstellungseröffnung wurde der Förderpreis für bildende Kunst 2014 an zwei burgenländische Kunstschaffende vergeben. Manfred Leirer, geboren 1965, wuchs in Unterrabnitz auf und studierte bei Wolfgang Hollegha an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Daneben hat Leirer Pädagogik, Psychologie und Philosophie studiert. 2006 erhielt er den 1.Preis für Malerei in Budapest, 2010 den Förderpreis für bildende Künstler vom Land Burgenland. Doris Dittrich wurde 1980 in Wien geboren und studierte von 2003 bis 2007 Bildhauerei an der Wiener Kunstschule. 2010 und 2013 erhielt sie ein Stipendium des Landes Burgenland für Artist in Residence Paliano, Italien, 2011 den X-Art Frauenkunstpreis des Landes Burgenland. Sie lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Wien und dem Südburgenland.

Architektur – ihre Reflexion in der bildenden Kunst, Projektraum der Landesgalerie, Eisenstadt (Stallungen), 23. 1. – 22. 2. 2015, Di-Fr 9-17, So/Ftg 10-17 Uhr, Eintritt frei 

Mittwoch, 28. Januar 2015

Scherenschnitt-Blickpunkte

Galerie „Haus der Begegnung“ würdigt Liane Presich-Petuelli zum 90. Geburtstag

Unter ihren Vorfahren befinden sich Bildhauer, Wissenschaftler, Höhlenforscher, sogar ein Mitglied der Académie Française in Paris, aber auch Devotionalienhändler und Rosenkranzschnitzer am Oberberg. Liane Petuelli, 1925 in Eisenstadt geboren, studiert nach ihrer Matura an der Hochschule für Musik in Wien das Lehrfach für Musikerziehung und Geschichte. Nach dem Krieg arbeitet sie in einer renommierten Papierhandlung am Wiener Opernring, wo sie Scherenschnitte herstellt, die dem Rektor der Kunstakademie am Schillerplatz auffallen.

Der Tod im Garten Zitat Christine Lavant aus „Die Bettlerschale“. ZVG

Dadurch kommt es zur Teilnahme an der ersten burgenländischen Landesausstellung in der Orangerie des Schlosses Esterhazy in Eisenstadt, bei der neben bekannten Altmeistern wie Albert Kollmann auch Karl Prantl und Rudolf Kedl vertreten sind. Ab 1951 folgt eine rege Ausstellungstätigkeit, – an die 150 Ausstellungen – in Königstein im Taunus, in Caisse d‘Epargne, Colmar, Strassburg, Frankfurt am Main, im Hermann Hesse Museum, Calw, in der Österreichischen Gesellschaft für Musik in Wien, auf Schloss Kornberg, in Salzburg, Baden, in der Silberkammer der Hofburg Wien, im Museum für Europäische Kultur Berlin, ja selbst in China.

Große Scherenschnitt-Zyklen. Presich-Petuelli gestaltet Plattencover, Buchumschläge, zahllose Abdrucke in Kunstzeitschriften, Anthologien, Plakaten und Werbebroschüren, schafft an die 1.000 Scherenschnitte in schwarz-weiß sowie in vielfach variierten farbigen Schnitt-Techniken. Sie ist auch eine anerkannte Pianistin. Ihre konzertante Tätigkeit umfasst die großen Liederzyklen von Schubert, Schumann und anderen Komponisten. Sie baut die „Gesellschaft der Lyrikfreunde“ auf. Besondere Beachtung finden die Scherenschnittzyklen zu den Oratorien „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“, für die sie die selten vergebene Haydn-Medaille erhält, wie auch die über 70 Illustrationen in dem Sammelwerk „Burgenland im Bild der Sage“, wofür ihr der Kulturpreis des Landes Burgenland verliehen wird.

Alle Möglichkeiten ausloten. Im Verlauf ihrer künstlerischen Entwicklung nehmen Gestaltungen mit farbigem Papier immer mehr Raum ein, die oft zu aquarellistischen Effekten und perspektivisch-bildhafter dreidimensionaler Wirkung führen. Zyklen nach Hermann Hesse, Rilke, Morgenstern, Christine Lavant, deren diffizile Lyrik eine immer anders geartete Scherenschnitt-Technik verlangt, entstehen ebenso wie musikalisch ausgerichtete nach Haydn, Liszt und Gluck. 24 Abstraktionen zu Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ loten vom puristisch-traditionellen Schwarz-Weiß bis zur buntfarbigen Collage, von naturalistischen Formen bis zu abstrakter Verfremdung alle denkbaren Möglichkeiten aus.

Liane Presich-Petuelli, Blickpunkte im Scherenschnitt, Galerie Haus der Begegnung Eisenstadt, 13. 1. bis 15. 3. 2015

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