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Kirche, Kunst und Kultur

© Diözese Eisenstadt

Sonntag, 28. Juli 2013

Zwischenwelten

„Das Kreuz ist meine Grundfigur geworden. Mir fällt einfach nichts anderes ein, was mich so herausfordert und in Arbeitswut und Fleiß bringt; deswegen nehme ich es immer wieder auf. Ich versuche alles Mögliche. Ich versuche bis ins Gegenteil des Kreuzes auszubrechen, aber es führt mich immer wieder zurück“, sagt Arnulf Rainer über seine übermalten Kreuze, die er „Kruzifikationen“ nennt. Diese Kruzifikationen durchziehen das gesamte Werk des Künstlers. In einem Gespräch mit dem Religionssoziologen Jesuitenpater Friedhelm Mennekes äußert Rainer 1992: „Es ist das Kreuz, das den Sinn ergeben könnte.“


Rainer formuliert sein gleichermaßen dissoziatives wie selbstdestruktives Befragungsexperiment immer in Gegensätzen: Automatismus gegen Konstruktion, Erotik gegen Religion, Natur gegen Künstlichkeit. So ermöglicht er dem Betrachter das Eintauchen in Zwischenwelten. Im Dialog zwischen Bild und Raum, zwischen Farbe und Zeichen, zwischen dem Kreuz und der Spiritualität setzt er vielfältige Assoziationen frei.

Übermalungen. 1968 beginnt Rainer mit physiognomischen Abartigkeiten der eigenen Mimik zu experimentieren. „Wenn ich zeichne, bin ich aufgeregt, spreche ich mit mir selbst, verziehe mein Gesicht, beschimpfe Leute, bewege und verwandle mich permanent als Leib, Charakter und Person.“ Rainer macht sich selbst zum Objekt, liefert sich aus. Durch die Überarbeitung mit Schwarzstift und Graphit intensiviert er den verfremdenden Effekt. In seinen „Übermalungen“ setzt er sich mit der Problematik des Todes und dem Verhältnis zwischen Künstler und Gesellschaft auseinander.

Gefördert durch Msgr. Mauer. Arnulf Rainer wird 1929 in Baden bei Wien geboren. 1953 lernt er Monsignore Otto Mauer kennen, der Rainers erste Einzelausstellung in der Galerie St. Stephan präsentiert.1978 wird Rainer mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet. Von 1981 bis 1995 leitet er eine Meisterklasse für Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 2004 erhält er den Ehrendoktortitel der Katholischen Fakultät der Universität Münster, 2006 ein Ehrendoktorat der Theologie von der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz. 1993 wird in New York das Arnulf-Rainer-Museum eröffnet, 2009 erfolgt die Eröffnung eines eigenen Museums in seiner Geburtsstadt Baden.

Arnulf Rainer, „Von Anfang an …“, Ensemble Gerersdorf, bis 15.9.2013, täglich 10-18 Uhr, Eintritt: 5,-, Familien: 11,-

Sonntag, 21. Juli 2013

Tränen der Götter


Das fossile Baumharz mit der gold- und braungelben Farbe fasziniert besonders durch die oft eingeschlossenen Insekten, Flechten oder Moose. Es handelt sich um das Harz von Kiefern, das vor etwa 40 bis 50 Millionen Jahren entstand. Während der langen Lagerungszeit verhärtete es und wurde zu Bernstein. Die größten Fundstellen liegen auf der Halbinsel Samland und entlang der Küste der Ostsee bis zum baltischen Meer. Bernstein wussten bereits die Römer zu verarbeiten. So entstand die berühmte „Bernsteinstraße“, die auch über das Burgenland vom heutigen St. Petersburg bis nach Venedig verlief.



Das fossile Harz wird gerne als „Tränen der Götter“ bezeichnet und galt einst als Zeichen von Luxus und Macht. Leihgaben stammen aus dem Naturhistorischen Museum, dem Burgenländischen Landesmuseum und  dem Museum Carnuntum - wie ein 270 Millionen Jahre altes und 30 Kilogramm schweres fossiles Harz und ein versteinerter Dinosaurier. Handelswaren wie Kleidung, Schmuck, Waffen und die Rekonstruktion eines römischen Reisewagens, eine Leihgabe des Kaliszer Museums in Polen, geben Einblick in die Zeit, als Bernstein wertvoller war als Gold.

Achtes Weltwunder. In der Ausstellung ist auch ein Nachbau des berühmten „Bernsteinzimmers“, das 1701 vom preußischen König Friedrich Wilhelm I. an Zar Peter den Großen verschenkt worden und seit dem Ende des II. Weltkrieges verschollen ist, zu bestaunen. Es stammt vom Bühnenbild der Operette „Der Zarewitsch“ der Seespiele in Mörbisch. Ein großer Teil der Ausstellung widmet sich Fotografien von 60 Millionen alten, geschliffenen Bernstein-Inklusen des Fotografen Otto Posch in tausendfacher Vergrößerung.

Erster winterfester Handelsweg. Die Ausstellung widmet sich auch der großen Bernsteinstraße, dem vor 5000 Jahren entstandenen ersten wintersicheren Handelsweg zwischen Norden und Süden. Von den Römern wurde der Transportweg zur ersten zweispurigen Straße Europas ausgebaut. Der Schweizer Fotograf Markus Zohner hat die 5.000 Kilometer lange Bernsteinstraße zwei Jahre lang zu Fuß durchwandert. Eine Auswahl seiner besten Fotos ist in der Ausstellung zu sehen.

Bernstein - Das Gold des Nordens. Die Wiederentdeckung der Bersteinstraße, Schloss Halbturn, bis 27.10.2013, Di-So/Ftg 10-18 Uhr, Eintritt € 8,-

Sonntag, 14. Juli 2013

Musikgiganten


Fürst Anton Esterhazy nannte Beethoven einen Mohren, als er ihm von Haydn vorgestellt wurde. Und tatsächlich: Beethovens Äußeres glich nicht gerade einem Schönling, wie zeitgenössische Berichte zeigen: Seine Vorderzähne standen infolge der eigentümlichen Flachheit seines Gaumens vor und drängten dadurch die Lippen nach außen. Seine Nase war breit und platt, die Stirn merkwürdig voll und rund – nach den Worten des Hofsekretärs Mähler, der zweimal sein Porträt malte, „wie eine Kugel“.



Beethoven trifft Haydn zum ersten Mal in Bonn im Jahr 1790, als Haydn auf dem Weg nach England ist. Nach seiner Rückkehr 1792 nimmt Beethoven in Wien bei ihm Unterricht. Beethoven war zunächst von Haydn enttäuscht. Ihm schien das Studium bei seinem großen Vorbild etwas oberflächlich. Die Sonderausstellung umfasst drei Räume. Im ersten Raum werden Kompositionen und Abschriften, die Beethoven als Schüler von Haydn machte, gezeigt, wie etwa eine Abschrift des Finales von Haydns 99. Symphonie, die Beethoven zum Studium des Kontrapunktes machte.

Ambivalentes Verhältnis. Im zweiten und dritten Raum wird darauf verwiesen, dass die beiden Komponisten nicht nur das 19. Jahrhundert prägten, sondern auch heute noch Künstler inspirieren, bis hin zu Andy Warhol oder dem exzentrischen Geiger David Garrett, von dem es Einspielungen zu hören gibt. Das ambivalente, zweijährige Lehrer-Schüler-Verhältnis gipfelt in der Widmung von Beethovens Klaviersonaten op. 2 an Joseph Haydn. Es war zwar einerseits eine gegenseitige Bewunderung, aber auch ein durchaus ambivalentes Verhältnis. Die Inspiration ist in Beethovens frühen Werken noch deutlich zu spüren, dann aber entfernt sich Beethoven immer mehr von seinem Vorbild, betritt musikalisches Neuland und erlangt seine Eigenständigkeit.

Wertvolle Leihgaben. In der Sonderausstellung werden zahlreiche teils autographe Leihgaben gezeigt, die Beethovens Studien bei Haydn und Albrechtsberger belegen. In Guckkästen sind Orte abgebildet, ein multimediales Bilderbuch stellt die beiden Protagonisten und ihre Weggefährten und Förderer dar. Die Leihgaben stammen unter anderem von der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, dem Beethoven-Haus in Bonn und der Österreichischen Nationalbibliothek. Sprecher des Audioguides ist Cornelius Obonya.

„Haydn & Beethoven. Begegnungen – Inspiration – Reflexion“, Haydn-Haus Eisenstadt, bis 11.11.2013,  Mo-Sa 9-17, So/Ftg, 10-17 Uhr