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Kirche, Kunst und Kultur

© Diözese Eisenstadt

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Visionärer Fürst

Heuer jährt sich zum 300. Mal der Todestag von Fürst Paul I. Esterházy.

Paul I. ist eine der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten der Familie Esterházy. Ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt, muss er nach dem Tod seines Bruders an die Spitze des Magnatenhauses treten. Paul dichtet, komponiert, musiziert, tanzt und malt. Er ist ein Förderer der Kunst, gründet die Esterházy-Sammlungen und nimmt an Feldzügen teil. Er lässt viele Kirchen erbauen, darunter Frauenkirchen, Eisenstadt-Oberberg und Loretto. Für seine zweite Frau Eva Thököly wird in der Franziskanerkirche in Eisenstadt eine Ikonostase zur Erinnerung an ihre Heimat errichtet. Unter ihm erhält das Schloss in Eisenstadt seine heutige Gestalt. Er engagiert sich auch in der Armenfürsorge und gewährt zahlreichen vertriebenen Juden Schutz, allein 1671 3.000.


Für seine Loyalität zum habsburgischen Kaiserhaus erhält er 1687 von Leopold I. den Fürstentitel, weshalb sein Wappen ein großes „L“ ziert. Vom ebenfalls musikbegeisterten Kaiser Leopold I. lässt er sich inspirieren, die bereits unter seinem Vater, Graf Nikolaus Esterházy, begonnene Etablierung einer eigenen Hofmusik auszubauen, die sich Jahrzehnte später mit den Fürsten Nikolaus I., dessen Enkel Nikolaus II. und Joseph Haydn zur Hochblüte entfalten sollte.

Von Adam bis König Attila. Die von ihm in Auftrag gegebene Ahnengalerie zeigt in fast 400 barocken Portraits die Geschichte der Esterházys, die nicht nur fast alle Würdentr.ger Ungarns, sondern auch die biblischen Gestalten Adam und Noah, Hunnenkönig Attila und Graf Dracula für seine Genealogie vereinnahmt, was barocker Geschichtsschreibung entspricht. 1711 gibt Paul die religiöse Liedersammlung „Harmonia Caelestis“, ein Werk, teils auch mit Texten aus seiner Hand heraus, das als erstes bedeutendes Barockwerk der ungarischen Musikgeschichte gilt.

Barocke Schatzkammer. Hinter dicken Mauern und mit komplizierten Sperrmechanismen verschlossen, richtet Fürst Paul ab 1692 im Herzen der Burg Forchtenstein eine Schatzkammer ein. Sie ist heute die einzige am Originalstandort erhaltene barocke Kunstkammer Europas und spiegelt eine sehr späte Erscheinung der humanistischen Sammlungsidee wider, die mittels des Mikrokosmos „Kunstkammer“ den Makrokosmos „Welt“ veranschaulichen soll. Fürst Paul zeugt 26 Kinder. Er stirbt 68jährig am 26. März 1713 und wird in der Krypta der Franziskanerkirche in Eisenstadt beigesetzt.

Paul I. – Visionär und Humanist,
Harmonia Caelestis, Schloss Esterházy,
bis 11. 11. 2013, täglich 9-18 Uhr